Streubesitzgewichtung im Dax zum Sommer wirft ihre Schatten voraus – Anleger können sich schon jetzt positionieren
Indexanpassung bietet Chancen

In die deutschen Aktienindizes kommt Bewegung: Im Juni gewichtet die Deutsche Börse die Titel ihrer Kursbarometer nach deren Streubesitz, im August entscheidet sie über Auf- und Absteiger in den Börsenolymp. Schon jetzt zeichnen sich Veränderungen ab, von denen Anleger profitieren können.

FRANKFURT/M. Börsenindizes sind eine wichtige Messlatte für jeden Anleger. Ihre Zusammensetzung hat einen großen Einfluss auf die eigene Anlageentscheidung. Im Sommer wird es bei den deutschen Kursbarometern zu einigen Veränderungen kommen, die sich bereits jetzt abzeichnen. Als mittelfristige Strategie bietet es sich daher für Privatanleger an, sich entsprechend zu positionieren.

Zunächst gewichtet die Deutsche Börse ab dem 24. Juni die Aktien in ihren Indizes wie beispielsweise dem Deutschen Aktienindex (Dax) nach deren Streubesitz. Das ist der Anteil der Aktien, der sich tatsächlich kaufen und verkaufen lässt. Bislang orientiert sich die Gewichtung noch an allen Aktien. Außerdem soll nur noch jeweils eine Aktiengattung - also entweder Stamm- oder Vorzugsaktien - berücksichtigt werden.

Damit folgt die Börse den weltweiten Indexanbietern: Stoxx berechnet seine Kursbarometer bereits seit September 2000 auf diese Weise, Morgan Stanley Capital International (MSCI) schließt die Umstellung auf Streubesitz Ende Mai ab.

Bislang zeichnet sich ab, dass im Dax die Aktien der Deutschen Telekom und der Münchener Rück am stärksten an Gewicht verlieren werden. Die Telekom würde dann nur noch mit 7,4 Prozent anstatt wie bisher mit 9,5 Prozent in den Auswahlindex eingehen, haben Berechnungen der Westdeutschen Landesbank (WestLB) ergeben. Laut Indexexperte Christian Stocker von der Hypo-Vereinsbank ergibt sich auch bei SAP, BMW und VW ein negativer Gewichtungseffekt. Am stärksten profitieren dürften nach der neuen Regel Siemens, die Deutsche Bank, Eon, Bayer und BASF. Siemens löst damit die Deutsche Telekom als gewichtigstes Indexmitglied ab. Den Münchenern kommt ihr großer Streubesitz zu Gute, so dass ihr Gewicht laut WestLB auf mehr als 11 Prozent von derzeit 8,63 Prozent steigt.

Noch spiegeln sich die zu erwartenden Gewichtungsänderungen nicht in den jeweiligen Aktienkursen wider. Doch ist damit zu rechnen, dass Gewichtungsgewinner wegen des dann höheren Interesses der Anleger im Kurs steigen, während Verlierer nachgeben dürften. "Die entsprechenden Umtauschaktionen erwarte ich ab April", sagt Stocker von der Hypo-Vereinsbank. Viele professionelle Investoren nähmen ihre Umschichtungen nach und nach vor, glaubt hingegen Analyst Ralf Kugelstadt von UBS Warburg. Zwar warteten passive Fonds, die einen Index genau nachbilden, oft bis zur letzten Minute mit ihren Anpassungen. Allerdings würden über 90 Prozent des an den Dax gebundenen Kapitals aktiv verwaltet.

Wer nicht auf einzelne Aktien setzen will, kann beispielsweise mit dem Long Short Dax Strategy Basket von Société Générale (WKN 642644) darauf spekulieren, dass sich die möglichen Sieger der Dax-Neugewichtung besser entwickeln werden als die Verlierer.

Der Kurs einer Aktie profitiert meist auch dann, wenn der Wert neu in einen großen Index aufgenommen wird. Anfang August entscheidet die Börse wieder über mögliche Auf- und Absteiger aus dem Dax, zum 23. September werden die Veränderungen wirksam. Entscheidend für die Index-Mitgliedschaft sind dann die Kriterien Börsenumsatz und Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien multipliziert mit ihrem Kurs) nach Streubesitz. Nur wer nach beiden Kriterien zu den größten 35 Werten zählen, hat Chancen auf einen Platz im Dax. Allerdings muss es auch Aktien geben, die mindestens einen dieser Punkte nicht mehr erfüllen. Sonst bleibt alles beim alten.

Das ist nach derzeitigem Stand das Dilemma: Zwar qualifizieren sich nach den aktuellen Zahlen Altana, Beiersdorf und die Deutsche Börse für den Dax. MAN, Degussa-Hüls, Epcos und FMC stehen zwar zum Teil schlechter da, erfüllen aber immer noch die Dax-Kriterien.

"Indexentscheidungen sollten immer nur ein zusätzliches Anlagekriterium sein", rät Kugelstadt. Wer in eine Aktie investiert, sollte auch fundamental von dem Unternehmen überzeugt sein.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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