Strichcodes im Büro
Leben mit dem Barcode

Im Büro der Zukunft werden die Mitarbeiter gescannt wie eine Dose Erbsen an der Supermarktkasse.

VIRGINIA. Die Welt hinter Strichgittern ist bereits Wirklichkeit - und zwar im "Büro der Zukunft" von Accenture in Reston im US-Bundesstaat Virginia. Dort wird der Besucher von einem "Manager für den Bürobetrieb", dessen Anzug mit einem Strichcode versehen ist, zu einer zwei mal zwei Meter großen Kabine im vierten Stock geführt. Von der mit olivgrünem Stoff bezogenen Trennwand grüßt wieder ein Zebrastreifen, wie er jedem Supermarktkunden vertraut ist. Tatsächlich ist hier jeder Angestellte und jeder Arbeitsplatz mit einem Strichcode ausgestattet.

Accenture braucht Strichcodes, weil niemand in diesem Büro ein Büro hat. Die 2 400 Angestellten müssen statt dessen im Voraus eine der 735 offenen oder eine der 225 geschlossenen Büroflächen reservieren. Angesichts der Strichcodes wissen die Bürohelfer am Vorabend, an welchen Arbeitsplatz der Container mit den Akten des Mitarbeiters geschoben werden soll. Die Codes stellen aber auch sicher, dass Angestellte auf Dienstreise ihre Post erhalten. Accenture hat damit die festen Büroräume abgeschafft, die sowieso leer stehen, wenn die Berater bei den Kunden arbeiten. Nach Unternehmensschätzungen lassen sich so acht Millionen Dollar an Miete einsparen.

Mitarbeiter in ihrer kleinen Bürokabine melden sich per Palm-Rechner mit Sonderausstattung an. Ein Schlenker des Handgelenks über den Strichcode genügt, schon weiß das Computersystem, dass der Angestellte seinen Aktenbehälter zur "geschlossenen Bürofläche Nr. 436" bewegt hat. Werden Pakete ausgeliefert, schnappen sich die Bürogehilfen das mit Strichcodes versehene Identifizierungsschildchen am Kragen der Angestellten, und - piep-piep - schon weiß Accenture, dass die Post die richtigen Empfänger erreicht hat.

Gerade mal 28 Jahre ist es her, dass in einem Supermarkt im US-Bundesstaat Ohio ein Päckchen Wrigley's-Kaugummi als erstes Objekt überhaupt unter den Scanner kam. Dass die unergründlichen Rechtecke aus schwarzen Linien und winzigen Ziffern jetzt auch in den Büros und sogar auf den Mitarbeitern auftauchen, ist ein Zeichen für das Streben der Unternehmen, Ordnung in das letzte ungeordnete Element zu bringen: die Menschen.



Menschliche Strichcodes liegen im Trend: Das Miami Children's Hospital plant für diesen Herbst, die Medikation der kleinen Patienten per Strichcode-Identifizierung zu verfolgen. Inspiriert von der Vorgehensweise am "Ground Zero" in New York wollen die Centers for Disease Control Proben und Beweisstücke nach einem Krankheitsausbruch oder Anschlag mit Strichcodes versehen. Und die Heavy-Metal-Band "Slipknot" hat einen Strichcode als Logo, die Streifen prangen quer über ihren an Gefängniskleidung orientierten Kostümen. Auch als Tätowierung ist der Strichcode groß im Kommen, berichtet der New Yorker Tattoo-Guru Carlo Fodera.



Strichcodes im Büro

In den Büros vermehren sich die Codes in Windeseile auf Schreibtischen, Computern, auf Kabinentrennwänden und Stühlen (Schauen Sie mal unter Ihrem nach). Anders als Dosen-Erbsen sträuben sich Büroangestellte jedoch manchmal gegen die Strichcodes. Einige der Accenture-Mitarbeiter reagierten geradezu gereizt auf die neue, vom Code gesteuerte Kultur, vor allem in den für Teilzeitarbeit vorgesehenen Kabinen.

Trotzdem: Dank der 20 000 im Gebäude angebrachten Strichcodes liege die durchschnittliche Belegungsrate des Büros in Reston bei 80 Prozent, sagt John Loehr, bei Accenture für die Liegenschaften zuständig. Im New Yorker Büro seien es dagegen nur 60 Prozent. "Jede leere Bürofläche ist eine Verschwendung von Firmengeldern", betont Loehr, der lange Zeit in der Hotelbranche gearbeitet hat und nun auch die New Yorker Niederlassung umkrempeln will. Das Programm von Accenture ist bei den Unternehmenskunden so gut angekommen, dass die Beraterfirma ihre Dienstleistungskoordinatoren geschult hat, Außenstehende kompetent durch das Haus zu führen. Das Konzept des "Büros der Zukunft" soll nun an die Kunden verkauft werden.

Quelle: Handelsblatt

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