Strikte Auflagen
Bush will Stammzellen-Forschung fördern

Nach langem Zögern hat US-Präsident George W. Bush sich für eine Unterstützung der Forschung an embryonalen Stammzellen entschieden. Die staatliche Förderung soll an strikte Auflagen gebunden sein, wie er am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer Rede an die Nation versicherte.

dpa-AFX/ap CRAWFORD/DÜSSELDORF. Bundesmittel sollen nur Forscher erhalten, die mit bereits vorhandenen embryonalen Stammzellen experimentieren, die bei künstlicher Befruchtung übrig geblieben sind.

In den USA gebe es mehr als 60 dieser so genannten Stammzellen-Linien, die sich "unendlich" regenerieren könnten. "Führende Forscher haben mir versichert, dass die Forschung mit diesen Stammzellen-Linien große Chancen birgt und zu neuen Therapien und Heilungen führen kann", sagte Bush. Der Vorsitzende von Bushs republikanischer Partei und ein Theologe lobten die Entscheidung.

"Die Stammzellen-Forschung birgt großartige Möglichkeiten, zugleich aber auch große Gefahren", sagte der Präsident am Donnerstag in einer Fernsehansprach e an die Nation. "Deshalb werden wir mit großer Vorsicht vorgehen." Die strikten Auflagen würden verhindern, dass "das Geld der Steuerzahler nicht dafür verwendet wird, die Zerstörung weiterer Embryonen zu erlauben oder gar zu fördern".

Vom Gegner zum Förderer

Der Präsident hatte lange mit der Entscheidung gerungen, was er auch in seiner Rede betonte. "Ich habe diese Entscheidung mit großer Sorgfalt getroffen, und ich bete, dass sie richtig ist." Noch im Wahlkampf im vergangenen Jahr hatte er sich strikt gegen die Stammzellen-Forschung ausgesprochen.

"Der Präsident hat die richtige Balance zwischen medizinischem Fortschritt und dem Schutz des menschlichen Lebens gefunden", lobte der Parteivorsitzende der Republikaner, Jim Gilmore. Der Theologe Jerry Falwell sagte: "Mit dem, was ich heute abend gehört habe, kann ich leben."

Auch Bush will Ethikrat

Embryonale Stammzellen" sind "pluripotent", das heißt, aus ihnen können sich alle Zell- und Gewebetypen des menschlichen Organismus entwickeln. Forscher hoffen deshalb, dass Stammzellen das Potenzial haben, die Behandlung und sogar Heilung der heute am weitesten verbreiteten Krankheiten voranzubringen, darunter Diabetes, Parkinson, Krebs, Herzkrankheiten, Leukämie und Rückenmarksverletzungen. Die katholische Kirche und Organisationen von Abtreibungsgegnern lehnen diese Forschung generell ab.

Große Fortschritte könne auch die Forschung an "Nabelschnüren, der Plazenta und Stammzellen von Tieren" bringen, sagte Bush weiter. Dafür werde seine Regierung in diesem Jahr 250 Mill. USD bereitstellen. Bush kündigte zudem die Ernennung eines Ethikrates an. Wissenschaftler, Juristen, Theologen "und andere" sollten Richtlinien im Umgang mit der Gentechnik festlegen.

Clement sieht sich bestätigt

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement sieht sich durch die Ankündigung der USA, Stammzellenforschung staatlich zu fördern, in seiner Unterstützung für deutsche Forschungspläne bestätigt. Clement sagte am Freitag in Düsseldorf, er rechne damit, dass auch in Deutschland bis Ende des Jahres eine Entscheidung falle. Schließlich könne die Forschung an embryonalen Stammzellen Heilungschancen für viele Patienten eröffnen. Notwendig sei ein vorsichtiges und transparentes Vorgehen in der Stammzellenforschung.

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