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Ströbele wählen heißt Fischer quälen

Seit Sonntag dürfen die Parteien offiziell plakatieren. Die Plakate tragen markante Slogans - in den Wahlkampfzentralen der Parteien entwickelt. Oder aber sie zeigen die Portraits der Bewerber um ein Direktmandat. In Berlin beispielsweise wirbt der Grüne Christian Ströbele in Kreuzberg und Friedrichshain aggressiv um die Erststimme. Der Grund: Er hat keinen Listenplatz bekommen.

Der 63-jährige Ströbele hat sich von einem Comic-Zeichner portraitieren lassen. Auf dem Plakat wirkt er zunächst einmal viel jünger. Dynamisch und voller Tatendrang. Er spricht mit seinem bunten Poster vor allem die Leute an, die mit den Bundesgrünen ihre Probleme haben. So findet sich auch in Ströbeles Handzettel kaum ein Hinweis darauf, dass die Wähler doch die grüne Politik unterstützen sollen. Lediglich ein kurzer Hinweis auf die Zweitstimme findet sich. Die Wähler sollen in erster Linie ihn unterstützen.

Kleine bunte Männchen halten auf dem Plakat rund um den Verfechter linker Politik Transparente in die Höhe. Darauf steht: "Ströbele allein in den Bundestag", "Spendensumpf - Baden verboten", "Kein Rassismus" oder "Ströbele wählen heißt Fischer quälen".

Die letzte Aussage solle man allerdings nicht überbewerten, sagte der Rechtsanwalt und Friedenspolitiker dem Tagesspiegel. Doch ist klar: Wenn er es in den Bundestag schaffen will, dann muss sich Ströbele abgrenzen - zur Not auch von seiner eigenen Partei. Zudem ist auch die Konkurrenz in seinem Wahlkreis ist groß: Er tritt gegen Andreas Matthae an, der stellvertretender Landesvorsitzender der Berlin-SPD ist. Und gegen Bärbel Grygier von der PDS - ehemalige Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.

Dieser personalisierte Wahlkampf in Berlin liegt auf einer Linie mit der grünen Bundespartei, die erstmals voll und ganz auf Joschka Fischer einen Politiker setzt. Der Unterschied: Während der Außenminister auf Harmonie setzt, greift Ströbele mit seinen Plakaten die eigenen Parteigenossen an. Ein wohl einmaliger Vorgang bei Bundestagswahlen. Damit könnte sich der Polit-Senior in Berlin profilieren - aber auch den letzten Rückhalt in seiner eigenen Partei verlieren.

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