Stromhändler war Favorit der Anleger
Enron wird wohl nächste Woche Konkurs anmelden

Das in die Schieflage geratene US-Energiehandelshaus Enron Corp wird nach Angaben aus Kreisen voraussichtlich zu Beginn der nächsten Woche Konkurs anmelden. Zahlreiche Details müssten von den Anwälten und den Beratern des Konzerns noch geprüft werden, hieß es in mit dem Prozedere vertrauten Kreisen.

Reuters HOUSTON/LONDON. In Kontinentaleuropa hat Enron am Freitag nach Angaben aus Handelskreisen alle Stromlieferungen gestoppt. Weltweit sind Banken durch den Ausfall von Enron-Krediten in Mitleidenschaft gezogen. Sollte Enron Konkurs anmelden, wäre dies die größte Insolvenz in der US-Geschichte. In Washington kündigten Kongressvertreter parlamentarische Untersuchungen an.

Enron, noch vor wenigen Monaten als Favorit der Anleger an der Wall Street gefeiert, war in die Schieflage geraten, nachdem der kleinere Konkurrent Dynegy die geplante Übernahme der Enron am Mittwoch abgesagt hatte. Der Aktienkurs der an der New Yorker Stock Exchange (NYSE) notierten Enron brach am Donnerstag um weitere 41 Prozent auf 36 US-Cents ein. Im August 2000 hatte die Aktie noch ein Hoch von 90,56 Dollar erreicht. Seinerzeit hatten Enron-Manager dieses Niveau als unterbewertet kritisiert.

Marktkapitalisierung fiel drastisch

Auf der Fortune-Liste der 500 größten Unternehmen hatte Enron jüngst noch den siebten Platz eingenommen. Seit dem vergangenen Jahr ist die Marktkapitalisierung des Energiehändlers auf 268 Millionen Dollar von zuvor fast 80 Milliarden Dollar gefallen.

Enron wolle voraussichtlich den Konkursschutz (Chapter 11) in Anspruch nehmen, um zeitweise vor den Forderungen seiner Gläubiger geschützt zu sein, hieß es in den Enron nahe stehenden Kreisen. "Sie arbeiten an den Details. Morgen wäre es aber zu früh, Anfang nächster Woche wäre deshalb ein realistischerer Termin", fügten die Insider am Donnerstag in Houston hinzu. Unklar war, ob Enron möglicherweise sein Geschäft in einer kleineren Gesellschaft aufrechterhalten will oder nicht.

Die Geschäfte von Enron sind inzwischen fast zum Erliegen gekommen. Die Stromlieferungen nach Kontinentaleuropa wurden am Freitag eingestellt, wie aus Handelskreisen in Frankfurt verlautete. Die Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hatte am Vortag in London die Verwaltung der europäischen Tochter übernommen. Das Europa-Geschäft von Enron soll laut PricewaterhouseCoopers abgespalten werden. Enron Europe werde noch am Freitag eine Mitteilung zum Stellenabbau in Europa machen, hieß es in den Handelskreisen weiter.

Nur wenige Marktteilnehmer wollten am Donnerstag an den US-Rohstoffbörsen mit Enron handeln. Die New Yorker Mercantile Exchange (Nyme) schränkte den gesamten Handel mit Enron ein. Dies führte dazu, dass der Preis für Öl an der Nyme zurückging. Die einst lukrative Internet-Handelsplattform, EnronOnline, öffnete am Donnerstag lediglich, damit die Marktteilnehmer nach Angaben eines Unternehmenssprechers ihre Positionen mit Enron abwickeln konnten.

Vier der größten australischen Banken haben ihre Enron-Verbindlichkeiten am Freitag mit rund 50 bis 100 Millionen Dollar beziffert. Auch zahlreiche japanische Broker-Firmen haben Enron-Anleihen in ihren Geldmarkt-Fonds. Die Deutsche Bank hatte am Donnerstag bekannt gegeben, ihr Verlust würde im schlimmsten Fall weit weniger als 100 Millionen Dollar betragen. Dagegen hat die Credit Lyonnaise nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Dollar - die Hälfte davon unversichert - in Enron stecken. Die Versorger-Holding Duke Energy Corp beziffert ihre unversicherten Ausstände mit 100 Millionen Dollar. Die größten Ausstände haben US-Banken wie J.P. Morgan Chase & Co mit 500 Millionen Dollar an unversicherten Ausständen und die Citigroup Inc mit 700 bis 800 Millionen Dollar, wovon die Hälfte unversichert ist, wie die Banken am Vorabend mitteilten.

Liste der größten Unternehmenspleiten in den USA:



Firma

Konkursdatum

Vermögenswert
(in Mrd US-Dollar)

Texaco, Inc21.04.19875,892
Financial Corp. of America09.09.198833,864
Pacific Gas and Electric Co.06.04.200121,470
MCorp31.03.198920,228
First Executive Corp.13.05.199115,193
Financial Corp. of America09.09.198833,864
Gibraltar Financial Corp.08.02.199015,011
FINOVA Group, Inc., (The)07.03.200114,050
HomeFed Corp22.10.199213,885
Southeast Banking Corporation20.09.199113,390
Reliance Group Holdings, Inc.12.06.200112,598
Imperial Corp. of America28.02.199012,263
Federal Corp-Mogul01.10.200110,150
First City Bancorp. of Texas31.10.19929,943
First Capital Holdings30.05.19919,675
Baldwin-United26.09.19839,383



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