Strompreis macht wieder Hoffnung
Eon hat in Frankreich und Spanien viel vor

Im vergangenen Jahr hat Eon viele Töchter mit gutem Gewinn verkauft. Nun kündigt der Konzern eine Phase mit großen Zukäufen in den Kerngeschäften Energie und Chemie an. So plant Eon den Einstieg in den spanischen Strommarkt und behält den französischen Wassermarkt im Auge. Auch Ruhrgas reizt die Düsseldorfer.

ews/jsn DÜSSELDORF. Für Eon-Chef Ulrich Hartmann ist das Betriebsergebnis die Schlüsselgröße für die Unternehmensbewertung. Sehr zufrieden kann der Manager demnach nicht sein. Denn der Verfall der Stromerträge um 31 % hat das Geschäft der Eon AG, Düsseldorf, erheblich beeinträchtigt. Das Betriebsergebnis schrumpfte in den ersten drei Quartalen 2000 um 9 % auf knapp 1,9 Mrd. Euro. Im gesamten Geschäftsjahr erwartet Eon, die nach der Fusion von Veba und Viag das erste Geschäftsjahr absolviert, zwar eine leichte Verbesserung. Aber insgesamt wird das Ergebnis von 1999 nicht wieder erreicht. Erstmals wurden die Zahlen nach dem US-Bilanzwerk US-GAAP erstellt und für 1999 vergleichbar gemacht.

Für die nächsten Jahre zeigt sich Hartmann jedoch schon deshalb optimistisch, weil nach der Umstellung auf die amerikanische Bilanzierungsmethode die Goodwill-Abschreibungen (etwa auf Marken- oder Firmennamen) von 6 Mrd. auf 1 Mrd. Euro verringert werden. Damit entfallen Ergebnisbelastungen von 300 Mill. Euro jährlich. Außerdem sei die Talsohle bei den Strompreisen durchschritten. Mit der Liberalisierung im vorigen Jahr waren die Preise für Weiterverteiler um 60 %, für Industriekunden um 35 % und für Tarifkunden um 20 % gesunken.

Konzernüberschuss durch Beteiligungsverkäufe gestiegen

Dass der Konzernüberschuss vor Steuern um 55 % auf 7,1 Mrd. Euro gestiegen ist, hängt mit dem Verkauf von Beteiligungen zusammen, auf deren Geschäftssparten der Konzern verzichtet. Aus dem Verkauf von E-Plus, Veba Electronics, Gerresheimer Glas und Schmalbach-Lubeca (Verpackungen) konnte Eon Netto-Buchgewinne von 4,6 Mrd. Euro erzielen (nach 2,2 Mrd. Euro im Vorjahr). Künftig stützt sich Eon auf die Standbeine Energie (Strom, Gas, Wasser) und Chemie sowie die Randaktivität Immobilien.

Anfang 2001 soll zudem die Option des Verkaufs der Viag-Interkom-Anteile an British Telecom ausgeübt werden. Damit fließen weitere 11,4 Mrd. Euro in die dann prall gefüllte Eon-Kasse. Ob der Verkauf der Handelstochter Klöckner & Co. im kommenden Jahr den erwarteten Preis von 500 Mill. Euro bringen wird, ist offen. Wegen der erst dann geltenden Steuererleichterungen stehen der weitere Börsengang der Logistiktochter Stinnes sowie der Verkauf von VAW Aluminium erst im Jahr 2002 an.

Hartmann richtet den Blick jetzt aber auch nach vorne: Nun soll eine Phase der Akquisitionen auf nationaler und internationaler Ebene folgen, Eon denkt in zweistelligen Milliardengrößen. Neben Osteuropa nannte der Eon-Chef Skandinavien, Spanien und Großbritannien als Schwerpunkte für die Stromexpansion. Auf der Iberischen Halbinsel würden sich nach der Fusion von Endesa und Iberdrola wegen entsprechender Kartellauflagen attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten. Hartmann: "Da sind wir im Gespräch mit spanischen Freunden."

In Deutschland sind im Stromgeschäft keine großen Deals mehr möglich. Deshalb strebt Eon den Ausbau von Vertriebspartnerschaften mit kommunalen und regionalen Unternehmen an. "Es hat sich gezeigt, dass solche Beteiligungen günstiger kommen als die direkte Akquisition von Tarifkunden", erklärt Hartmann. Bestehende Minderheitsbeteiligungen sollen - wenn möglich - auf konsolidierungsfähige Mehrheiten aufgestockt werden. Die Ambitionen, im internationalen Wassergeschäft die Position zu stärken, hat Eon nach dem Abbruch der Gespräche mit dem US-Unternehmen Azurix und der französischen Saur- Gruppe, die zum Bouygues-Konzern gehört, nicht aufgegeben.

Hartmann will Saur noch lange nicht abschreiben

Mit den Franzosen existierten nach wie vor "komplementäre Interessenlagen", zumal Eon noch an der Bouygues Telecom eine Minderheitsbeteiligung halte. Diese könne gegen Saur getauscht werden. Hartmann ließ offen, ob dies kurzfristig geschehen werde.

Für die angestrebte Mehrheitsbeteiligung am Essener Ferngasriesen Ruhrgas AG benötige Eon einen langen Atem, betont Hartmann. "Wir sind interessiert, im Einvernehmen mit dem Ruhrgas-Vorstand eine Lösung zu finden." Keineswegs sei eine Übernahme der Essener RAG AG geplant. Bei der ehemaligen Ruhrkohle, die die Last der deutschen Steinkohle tragen muss, ist Eon der größte Anteilseigner. Die RAG wiederum dominiert ein bedeutendes Aktienpaket an der Ruhrgas.

Nach einem tiefen Sturz am Mittwoch legte die Eon-Aktie am Donnerstag auf über 62 Euro zu. Mit einem Plus von mehr als 30 % im laufenden Jahr hat das Papier den Dax klar abgehängt.

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