Stromproduzent verheimlichte über Jahre Risse in Kernreaktoren
Atomskandal erschüttert Japan

Schwerer Vertrauensverlust für Japans Atomindustrie: Der größte Atomreaktorbetreiber des Landes, Tokyo Electric Power Co., hat jahrelang Prüfberichte fälschen lassen und damit Risse in seinen Reaktoren verschwiegen. Firmenpräsident Nobuya Minami gab am Montag zu, Angestellte hätten die Schäden vertuscht.

bas TOKIO. Er und vier weitere Spitzenmanager kündigten ihren Rücktritt an. Die gefälschten Berichte stammen von einer Tochter des US-Konzerns General Electric, der maßgeblich am Bau der Reaktoren beteiligt war.

Drei Jahre nach dem schweren Unfall im Atomkraftwerk Tokaimura weckt dies in Japan erneut tiefe Zweifel an der Zuverlässigkeit von Nuklearanlagen. Beim Atomunfall in Tokaimura waren im September 1999 zwei Arbeiter gestorben. Rund 600 Menschen wurden radioaktiver Strahlung ausgesetzt.

Nuklearstrom spielt in der Energiepolitik des ressourcenarmen Japans eine zentrale Rolle. Rund ein Drittel der Stromproduktion stammt aus mehr als 50 Atomreaktoren. Jetzt will das Wirtschaftsministerium auch Atomreaktoren anderer Produzenten überprüfen.

Tepco-Chef Minami, der bisher auch Vizechef der Vereinigung japanischer Führungskräfte (Keizai Doyukai) war, sagte: "Wir bedauern zutiefst, dass die Zwischenfälle das öffentliche Vertrauen untergraben." Seit 1986 bis Mitte der 90er Jahre sollen in mindestens 29 Fällen Berichte über Risse oder Anzeichen von Rissen in 13 Reaktoren des Unternehmens gefälscht worden sein. Betroffen sind die weltgrößte Atomanlage Kashiwazaki-Kariwa in der nördlichen Präfektur Niigata sowie zwei Atomanlagen in der Nachbarpräfektur Fukushima. Die zuständige Nuklear- und Industriesicherheitsbehörde des Wirtschaftsministeriums startete gestern ihre Inspektionen dort.

Die Regierung betonte am Montag, es bestehe kein akutes Sicherheitsrisiko. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Seiji Murata sagte jedoch: "Diese Aktion hat die Glaubwürdigkeit der Nuklearenergiepolitik der Regierung beschädigt und das Vertrauen unserer Bürger betrogen." Dabei muss sich das Ministerium auch an die eigene Nase fassen, denn schon vor mehr als zwei Jahren soll ein Angestellter von General Electric International auf einen der Vertuschungsfälle aufmerksam gemacht haben.

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