Stromunternehmen stellen sich nach der Liberalisierung international auf
Energiebranche strebt zum Erdgas

Der Konzentrationsprozess in der Energiewirtschaft hält an. Schwächere Preise bringen die Rekorderträge der Ölunternehmen unter Druck.

DÜSSELDORF. Die Ölindustrie befindet sich nach dem Rekordschub bei den Gewinnen im Jahr 2000 nun in einer Phase der Normalisierung und Konsolidierung. Der Londoner BP-Chef John Browne prognostiziert nach mehreren fetten Jahren jetzt anhaltend schwierige Marktbedingungen. Die Absatzzuwächse beim Öl und Gas sind deutlich schwächer geworden, nachdem die Weltkonjunktur ins Strudeln gekommen ist. Obwohl beim Rohöl die Spitzenwerte vom Herbst 2000 in den letzten 18 Monaten bei weitem nicht mehr erreicht worden sind, fallen die größten Gewinne sowohl bei den US-amerikanischen als auch europäischen Öl-Top-Playern nach wie vor im Upstream-Bereich (Exploration und Produktion von Öl und Gas) an.

Langfristig überleben können im Ölgeschäft nur solche Unternehmen, die weltweit breit von der Produktion, über die Verarbeitung bis zu den Tankstellen und Heizölvertriebsstellen aufgestellt sind. Mit lokaler Präsenz ist nicht genügend Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen. Dies zeigte sich im letzten Jahr, als die beiden größten deutschen Ölunternehmen Veba Oel/Aral und RWE-DEA ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten.

BP übernimmt schon in diesem Jahr höchstwahrscheinlich vollständig die Eon-Tochter Veba Oel/Aral, während RWE-DEA mit Shell erst einmal eine Joint-Venture-Partnerschaft eingegangen ist.

Die Großen der Ölbranche haben nach den Megadeals Ende der letzten Dekade erst einmal eine Pause eingelegt. Jetzt geht es darum, durch interne Rationalisierungen beim Kampf um Kostenführerschaft erfolgreich abzuschneiden.

BP sieht sich nach der Übernahme der US-Ölfirmen Amoco und Arco ausreichend groß aufgestellt, um auch der weltweiten Nummer eins, Exxon Mobil, Paroli bieten zu können. Royal Dutch/Shell, der größte BP-Konkurrent um Rang zwei, hat bisher von Großfusionen abgesehen und sich stattdessen mit kleineren Zukäufen begnügt. Sowohl beim Wachstum der Produktion von Öl und Gas als auch bei der Neuerschließung dieser Reserven ist aber der niederländisch-britische Energiekonzern gegenüber seinem Rivalen BP ins Hintertreffen geraten.

Royal Dutch/Shell ist im Upstream-Bereich jedoch offensiv geworden und hat im April 2002 eine Übernahmeofferte für Enterprice Oil, dem größten unabhängigen britischen Ölförderer, unterbreitet. Mit dem Übernahmepreis von 5,7 Mrd. Euro wurde der italienische Konkurrent Eni ausgestochen.

Darüber hinaus kaufte Royal Dutch/Shell den US-Schmiermittelspezialisten Pennzoil Quaker im März dieses Jahres und schluckte im letzten Jahr Neuseelands Fletcher Challenge Energy. Experten wie der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt gehen davon aus, dass für Royal Dutch/Shell noch weiterer Bedarf an Zukäufen besteht, damit das Produktionstempo bei den Kohlenwasserstoffen auf ein international befriedigendes Benchmarking angehoben werden kann.

Frankreichs Totalfina Elf, Nummer drei in der europäischen Ölriege, überprüft ähnlich wie BP und Royal Dutch/Shell ein verstärktes Engagement bei der Wachstumsenergie Erdgas. Möglicherweise schon in der nächsten Dekade könnte der Energieträger Erdgas das Mineralöl vom bisherigen Spitzenplatz bei den europäischen Top 3 verdrängen. Vor diesem Hintergrund werden Aktivitäten in Russland immer wichtiger. Das Investitionsklima in Russland wird heute wesentlich positiver als noch Ende der 90er-Jahre beurteilt.

Die Ölmultis treten im Erdgasgeschäft in Konkurrenz zu Europas führenden privaten Energieversorgern. Vor allem Deutschlands größte Energiekonzerne Eon und RWE sind dabei, die nationalen Energiegrenzen zu verlassen und sich im Strom- wie Gasgeschäft europaweit und sogar mit Fühlern in die USA aufzustellen.

Beiden deutschen Playern ist die unternehmensstrategische Philosophie der großen Ölkonzerne gemeinsam, nämlich die vertikale Integration, also das Engagement von der Produktion bis zur Endverteilung bei Strom und Gas. Frankreichs private Topgrößen, Suez und Vivendi, erreichen ihre Spitzenplätze als Versorger vor allem durch Wasser- und Umweltaktivitäten.

Nach der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte werden die Beteiligungsstrukturen europaweit völlig neu geordnet. Sowohl Eon als auch RWE haben milliardenhohe Akquisitionen in Großbritannien getätigt. Beide Unternehmen wollen künftig zusammen mit der staatlichen Electricité de France zu den Top 3 in der europäischen Stromversorgung gehören.

Gleichzeitig gilt die Integration von Strom, Gas und Wasser als Voraussetzung für ein dynamisches Wachstum. Eon und RWE haben Akquisitionen in der Größenordnung von jeweils 30 Mrd. Euro und mehr in der Pipeline; gleichzeitig werden Randaktivitäten abgestoßen.

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