Struck bei Rumsfeld in Washington
Funkstille zwischen Deutschland und USA beendet

Nach einem Treffen mit Bundesverteidigungsminister Peter Struck hat dessen US-Kollege Donald Rumsfeld am Freitag die Beziehungen zwischen ihren beiden Staaten als "unvergiftet" bezeichnet.

Reuters WASHINGTON. Er antwortete damit auf eine Frage nach dem aktuellen Zustand der Beziehungen und fügte hinzu: "Deutschland ist ein langjähriger Verbündeter der USA in der NATO, und - unnötig, das zu sagen - wir wissen diese Beziehung und die Freundschaft des deutschen Volkes zu schätzen". Struck sprach bei einer Pressekonferenz mit Rumsfeld in Washington von einem offenen Gespräch in sehr angenehmer Atmosphäre. Die beiden Minister führten ein etwa einstündiges Gespräch.

Rumsfeld und andere US-Regierungsvertreter hatten das Verhältnis zur deutschen Regierung im September als vergiftet bezeichnet. Die Bundesregierung hatte sich zuvor gegen einen Angriff der USA auf Irak gestellt. Der Streit war eskaliert, nachdem die damalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin im Bundestagswahlkampf den Eindruck erweckt hatte, sie habe die politischen Methoden von US-Präsident George W. Bush mit denen Adolf Hitlers verglichen.

Erstmals seit der Abkühlung der Beziehungen sprachen am Freitag auch US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder wieder persönlich miteinander. Schröder habe in einem zehnminütigen Telefon-Gespräch die Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit mit Bush geäußert, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Sean McCormack.Der Präsident habe geantwortet, er sei daran interessiert, sich dem Alltagsgeschäft zuzuwenden und bei den Themen von beiderseitigem Interesse voranzukommen, etwa der Lage in Afghanistan, der Türkei, der NATO-Erweiterung und dem Krieg gegen den Terrorismus. Initiator des Gesprächs sei Schröder gewesen. Ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte das Telefonat und bezeichnete die Unterredung als "konstruktiv und vertrauensvoll".

Struck hatte vor seinem Abflug in die USA gesagt, er fahre nicht zerknirscht nach Washington. "Das ist kein Gang nach Canossa. Wir werden einen Neuanfang zwischen Donald Rumsfeld und mir bekommen nach dem etwas unglücklichen Auftakt in Washington", erklärte Struck. Beim dortigen NATO-Treffen war ein von Struck gewünschtes Treffen wegen der Differenzen in der Irak-Politik nicht zu Stande gekommen.

Zur neuen UNO-Resolution zum Irak sagte Struck, der irakische Präsident Saddam Hussein müsse sich über die große Verantwortung im Klaren sein, die auf ihm laste. Nun liege es an Saddam, weitere Schritte gegen sein Land zu verhindern. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) hatte am Freitag einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der Irak eine letzte Chance zur Abrüstung eingeräumt wird. Bei einer Verletzung der Auflagen drohen Irak nach Resolutionstext "ernste Konsequenzen".

Struck sicherte den USA nach Gesprächen bei NATO und Europäischer Union (EU) erneut die grundsätzliche deutsche Unterstützung für eine von den USA angeregte schnelle Eingreiftruppe der NATO von rund 20 000 Mann zu. Diese stehe der ebenfalls im Aufbau befindlichen EU-Eingreiftruppe nicht entgegen, sagte Struck.

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