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Struck kündigt Konsequenzen wegen Rekruten-Misshandlungen an

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat im Fall der Misshandlungen von Rekruten in der Bundeswehr Konsequenzen angekündigt. „All diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden entsprechend auch zur Rechenschaft gezogen“, sagte er am Montag in Berlin.

dpa BERLIN/COESFELD. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat im Fall der Misshandlungen von Rekruten in der Bundeswehr Konsequenzen angekündigt. "All diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden entsprechend auch zur Rechenschaft gezogen", sagte er am Montag in Berlin.

Nach Ministeriumsangaben wird nach dem Strafgesetz wegen Misshandlung von Untergebenen sowie entwürdigender Behandlung ermittelt. Politiker von Union und Grünen forderten Struck auf, am Mittwoch im Verteidigungsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Die Staatsanwaltschaft weitete ihre Ermittlungen aus.

In einer Ausbildungskompanie im nordrhein-westfälischen Coesfeld sollen Soldaten rund 80 Untergebene bei vier Übungen im Sommer misshandelt und gequält haben. Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer sagte in Münster, es werde inzwischen gegen 20 Unteroffiziere und einen Hauptmann ermittelt. Alle wurden nach Angaben des Heeresführungskommandos in Koblenz suspendiert und dürfen keine Uniformen mehr tragen. Während Struck und die Union von einem Einzelfall ausgehen, sagte der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei der "Berliner Zeitung", bei so vielen Beschuldigten "steckt der Wurm in einer ganzen Einheit."

Die Vorgesetzten sollen ihre Opfer gefesselt und ihnen Stiefelsäcke über den Kopf gezogen haben. In einem Fall stehe fest, dass ein Soldat mit Stromstößen aus der Induktionsspannung eines Feldfernsprechers gequält wurde. Die Ermittlungen seien vermutlich langwierig, weil viele der Betroffenen mittlerweile auf Bundeswehr - Standorte in ganz Deutschland verteilt seien, sagte Schweer.

Struck sagte: "Es ist völlig eindeutig, dass die verantwortlichen Ausbilder dort ihren Dienst schwer verletzt haben, dass das in keiner Weise von uns toleriert werden kann und wir die entsprechenden Maßnahmen ergriffen haben." Der Minister machte aber deutlich, dass es sich seiner Ansicht nach um intolerable Ausbildungsmethoden und nicht um "Folter in dem Sinne, dass von Gefangenen Informationen erpresst wurden", handelt. Nach den Foltervorwürfen gegen US-Soldaten im Irak hatte Struck erklärt: "Deutsche Soldaten foltern nicht." Nachtwei nannte das nun eine "vollmundige" Behauptung.

Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums ereigneten sich die Misshandlungen im Sommer und wurden Ende Oktober bekannt. Der Kommandeur des Heerestruppenkommandos in Koblenz sei umgehend nach Coesfeld gefahren. "Er wird mit der gebotenen Strenge gegen diese Übergriffe vorgehen." Struck erklärte, er habe die Obleute der Fraktionen früh informiert. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Reinhold Robbe (SPD), warnte vor Dramatisierung. Die Vorgesetzten hätten sofort richtig gehandelt, als sie von dem Fall erfuhren, sagte er der "Berliner Zeitung".

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