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Struck: US-Truppenabzug ist schwerer Verlust

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat den angekündigten massiven US-Truppenabzug aus Deutschland als „schweren Verlust für viele Regionen“ bedauert. Die Entscheidung der US-Regierung sei aber „ohne Alternative“, sagte er am Dienstag.

dpa BERLIN/WASHINGTON. Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat den angekündigten massiven US-Truppenabzug aus Deutschland als "schweren Verlust für viele Regionen" bedauert. Die Entscheidung der US-Regierung sei aber "ohne Alternative", sagte er am Dienstag.

In Washington kritisierten demokratische Politiker die Entscheidung von Präsident George W. Bush, in den nächsten zehn Jahren bis zu 70 000 Soldaten aus Europa und Asien abzuziehen. Bushs Entscheidung sei ein "wahlpolitischer Schachzug". Die Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein völlig falsches Signal an Terroristen, gefährde die nationale Sicherheit und schade den Beziehungen zu den europäischen Verbündeten, sagte der einstige Nato-Oberbefehlshaber und frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber Wesley Clark.

Ähnlich äußerte sich auch der außenpolitische Berater von Präsidentschaftskandidat John Kerry, Richard Holbrooke. In Kommentaren der "New York Times" hieß es, der Plan mache militärisch wenig Sinn, belaste wichtige Bündnisse und lasse den Verdacht aufkommen, dass der Truppenabzug aus Deutschland eine Strafaktion für die Berliner Ablehnung des Irakkriegs sei.

Struck sagte bei einem Truppenbesuch im schleswig-holsteinischen Appen, er habe den Ministerpräsidenten der besonders betroffenen Bundesländer - Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - versprochen, bei den Schließungen von Bundeswehrstandorten auch die Auswirkungen des US-Truppenabzugs zu beachten. Der Minister will bis zum Jahresende bekannt geben, welche weiteren 100 Bundeswehr-Standorte geschlossen werden sollen.

Struck äußerte Verständnis für die Restrukturierung der US- Streitkräfte und zog einen Vergleich zur Reform der Bundeswehr. "Bush und (US-Verteidigungsminister Donald) Rumsfeld machen nichts anderes als wir auch". Nach Plänen des US-Verteidigungsministeriums sollen zwei schwere Heeresdivisionen Deutschland verlassen - die 1. Panzerdivision mit Sitz in Wiesbaden und die 1. Infanteriedivision in Würzburg. Die USA wollten aber auch künftig eine "recht große Zahl" von Soldaten in Deutschland stationiert lassen, hatte ein Regierungsbeamter in Washington gesagt.

Die US-Streitkräfte sind in den jeweiligen Kommunen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christian Schmidt (CSU), forderte Umstellungshilfen für die betroffenen Regionen. Der Regierungskoordinator für die deutsch- amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), sagte im Deutschlandfunk, Deutschland bleibe der "größte Stationierungsort der USA in Europa".

Nach südkoreanischen Medienberichten will Seoul die USA um eine Verschiebung des geplanten Abzugs um mindestens ein Jahr bis Ende 2006 bitten. Eine Untersuchung des Generalstabs habe ergeben, dass der bereits für nächstes Jahr geplante Abzug der Soldaten zusammen mit wichtigen Waffensystemen eine Sicherheitslücke hinterlassen könnte. Die USA hatten bereits im Juni angekündigt, die Zahl der in Südkorea stationierten 37 500 Soldaten bis Ende des nächsten Jahres um ein Drittel zu verringern.

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