Strukturwandel im Spezialfondsmarkt
Auf dem Weg zu ehrlichen Gebühren

In Deutschland schlägt die Stunde der transparenten Gebührenmodelle. Bald dürften die Zeiten vorbei sein, in denen die institutionellen Anleger in ihren Spezialfonds zwar niedrige Managementgebühren zahlten, dafür aber mit kaum überschaubaren weiteren Kosten belastet wurden.

FRANKFURT/M. Deutsche institutionelle Anleger zahlen für die Verwaltung ihren Spezialfonds im internationalen Vergleich sehr geringe Managementgebühren. Das liegt jedoch nicht daran, das heimische Asset Manager ihre Leistungen preiswerter anbieten, sondern an den wenig transparenten Gebührenmodellen. "Aber der Trend geht eindeutig in die richtige Richtung, hin zu verursachungsgerechter Kostenbelastung für die einzelnen Asset-Management-Dienstleistungen nach angelsächsischem Vorbild", erklärt Hartmut Leser, Geschäftsführer von Feri Institutional, nach eigenen Angaben Marktführer im deutschen Consultinggeschäft. Darüber hinaus machen Feri wie auch andere heimische Consultants einen zweiten Trend aus. Die Gesellschaften, deren Kerngeschäft die Auswahl geeigneter Vermögensverwalter für institutionelle Anleger ist, erkennen eine zunehmende Einbindung von erfolgsabhängigen Vergütungen in das gesamte Gebührenpaket.

Feri stellte dem Handelsblatt die bisher umfangreichste statistische Auswertung zu den Gebühren am deutschen Spezialfondsmarkt zur Verfügung. Die Daten beruhen auf Angaben von 205 institutionellen Anlegern mit einem Spezialfondsvermögen von 255 Mrd. Euro. Die verlangten Sätze für einzelne Mandate - laut Feri dominiert das traditionelle deutsche Gebührenmodell - illustrieren das hier zu Lande immer noch niedrige Niveau bei der fixen jährlichen Managementgebühr. Gleichzeitig fällt die relativ große Spannbreite auf. Für die Verwaltung eines europäischen Aktienportfolios werden beispielsweise in der Regel zwischen 0,12 und 0,25 % p.a. verlangt. Die jeweils 20 % der höchsten und niedrigsten genannten Sätze sind in diesen Angaben nicht berücksichtigt.

"Wir kommen aus einem System der Mischkalkulation", erklärt Jochen Kleeberg den Unterschied zwischen dem traditionellen deutschen (wenig transparenten) Gebührenmodell und dem an Einfluss gewinnenden (transparenten) angelsächsischen Ansatz. Er nennt Zahlen aus seiner eigenen Praxis als Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors: "Bei einem Spezialfonds für europäische Aktien werden im Schnitt traditionell 0,15 Prozent verlangt, bei verursachungsgerechter Kostenbelastung dagegen eher 0,45 Prozent."

Trend zu zusätzlichen erfolgsabhängigen Vergütungen

Im angelsächsischen Raum sind die drei Funktionen Asset Management, Brokerage und Depotbank getrennt. Damit werden auch die entsprechenden Dienstleistungen Vermögensverwaltung, Wertpapierhandel und-verwahrung von nicht miteinander verbundenen Gesellschaften erbracht, separat abgerechnet und sind für den Anleger transparent. Kleeberg: "In Deutschland dagegen ist die Kapitalanlagegesellschaft eine Bankentochter und die Bank gleichzeitig Depotbank." Die Managementgebühr könne niedrig gehalten werden, weil die Mutter über den eigenen Wertpapierhandel und die ausgeübte Depotbankfunktion zusätzliche Einnahmen erziele.

"Ohne diese Quersubventionen müsste man viel höhere Managementgebühren verlangen", bestätigt Patrik Bremerich. Der Geschäftsführer der Consultingfirma RMC Risk-Management-Consulting ergänzt: "Der institutionelle Anleger sollte sich nicht auf ein Modell einlassen, bei dem alle drei Funktionen unter einem Dach sind, denn er kauft sich damit automatisch Interessenkonflikte ein." Für Bremerich ist deshalb klar: "Der Trend geht weg von der Quersubvention und damit hin zu höheren Managementgebühren und geringeren Wertpapierhandelskosten, geringeren Handelskosten deshalb, weil ganz systematisch der günstigste Broker gesucht wird." Kleeberg zufolge dürfte das aus Anlegersicht aber nicht zu insgesamt fallenden Gebühren führen: "Es geht in erster Linie um Transparenz."

Alle genannten Consultants forcieren nach eigenen Angaben den Trend zu transparenten Gebührenstrukturen. "In fünf Jahren wird sich das Modell in Deutschland durchgesetzt haben", glaubt Feri-Mann Leser. Kleeberg ist weniger optimistisch: "Zehn Jahre sind ein realistischer Zeitraum." Bremerich erkennt nicht nur Druck von Seiten der Investoren, "die darauf immer stärker drängen". Der Trend werde auch von außen beschleunigt: "Die heimischen Asset Manager stehen bei der Vergabe von Spezialfondsmandaten in immer größerer Konkurrenz zu den ausländischen Vermögensverwaltern mit ihren transparenten Gebührenmodellen", erklärt er.

Kaum aufzuhalten scheint auch der Trend zu zusätzlichen erfolgsabhängigen Vergütungen zu sein. Hier erhält der Asset Manager beispielsweise einen bestimmten Anteil der Mehrrendite gegenüber einer festgelegten Benchmark, falls er diese Messlatte schlägt. Laut Feri haben knapp 75 % der befragten Institutionellen in keinem ihrer Vermögensverwaltungsmandate bisher eine solche Vereinbarung getroffen. Den Angaben zufolge dürfte diese Quote auf 55 % sinken.

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