Strukturwandel in Rumänien
Vom Schneider Europas zum Automobilstandort

Deutsche Unternehmen wie die Zulieferer Continental und Schaeffler treiben den Strukturwandel in Rumänien voran - doch angesichts starker Wachstumsraten und einer lokalen Arbeitslosenquote von weniger als 1,5 Prozent haben es die Unternehmen mit einem erheblichen Arbeitskräftemangel zu tun. Warum sich die Autozulieferer dennoch nicht abschrecken lassen.

WIEN/HAMBURG. Zwischen den beiden rumänischen Städten Kronstadt und Temeswar liegen knapp 400 Kilometer. Das ist ungefähr die Distanz zwischen Hannover, dem Sitz der Continental AG, und der fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach, in der die Schaeffler-Gruppe ihr Hauptquartier hat. Noch läuft das formale Übernahmeverfahren, aber klar ist, dass beide Konzerne nach Abschluss dieses Prozederes aufeinander zugehen und miteinander kooperieren werden. Und was für die Zentralen in Deutschland gilt, wird auch auf die Außenposten der beiden Autozulieferer zukommen - damit auch in Rumänien.

Der Staat an Europas Südostflanke ist für den hannoverschen Zuliefer-Konzern in den vergangenen zehn Jahren zu einer festen Bank geworden. Etwa 6 200 eigene Mitarbeiter haben die Norddeutschen inzwischen in dem Land, immerhin gut vier Prozent der gesamten Belegschaft. In Temeswar im Dreiländereck zu Serbien und Ungarn hat Conti ein eigenes regionales Hauptquartier. Dort unterhält der Konzern eines seiner weltweit größten PKW-Reifenwerke; etwa zwölf Prozent der gesamten Konzernproduktion kommen aus diesem einzigen Werk.

Conti-Finanzvorstand Alan Hippe ist zufrieden mit der Investition: "Der Wohlstand nimmt enorm zu. Rumänien ist bereits ein wichtiger Markt." Etwa 350 Mill. Euro hat der Konzern aus Hannover während der vergangenen zehn Jahre in Rumänien investiert.

Besagte 400 Kilometer weiter östlich in Kronstadt (Brasov) in Zentral-Rumänien betreibt Schaeffler seit drei Jahren ein eigenes Wälzlagerwerk mit insgesamt 2 700 Beschäftigten. An die 180 Mill. Euro haben die Franken dafür in Rumänien ausgegeben. Ähnlich wie Continental will auch die Schaeffler-Gruppe die zum Teil neuen Autowerke in der Region beliefern, die Zulieferteile gehen aber auch nach Westeuropa. "Das Werk stellt einen wichtigen Baustein zur Erschließung neuer Märkte dar", betont Schaeffler-Unternehmenschef Jürgen Geißinger. In Kronstadt arbeiten inzwischen fast fünf Prozent aller Beschäftigten des Schaeffler-Konzerns.

Natürlich hat der Lohnkostenvorteil eine wesentliche Rolle dabei gespielt, dass sich deutsche Unternehmen wie Conti und Schaeffler in Rumänien niedergelassen haben. Die Arbeitskosten in der Autoindustrie betragen dort nur etwa 40 Prozent des EU-Durchschnitts. Dieser Faktor verliert allerdings an Bedeutung: Der Lohnkostenanteil an den gesamten Fertigungskosten liegt heute im Schnitt nur noch bei acht Prozent.

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