Struve verfehlte die Mehrheit
Schächter wird neuer ZDF-Intendant

Im Fernsehrat des Senders stimmten 51 der anwesenden 67 Vertreter für den 52-Jährigen, der am kommenden Freitag für fünf Jahre das Amt von Dieter Stolte (67) übernimmt.

dpa MAINZ. Schächter wertete das Votum als "großes Vertrauen in einer schwierigen Zeit". Das Gerangel um die Nachfolge Stoltes sei kein Imageschaden für das ZDF, sondern für den Fernehrat, "auch, wenn es schwer ist, das in der Öffentlichkeit zu unterscheiden", sagte Schächter nach seiner Wahl. ZDF-Mitarbeiter reagierten auf die Entscheidung im insgesamt fünften Wahlgang mit Erleichterung.

Mit der Wahl eines Kandidaten aus dem Hause sei die Kontinuität in der Leitung des Senders gewährleistet, sagte Stolte. "Schächter bringt alle Voraussetzungen mit, um eine erfolgreiche Arbeit für die Zukunft des ZDF zu leisten." Auch der Personalrat zeigte sich zufrieden mit der "Hauslösung". Chefredakteur Nikolaus Brender erwartet von dem neuen Intendanten eine "Stärkung der Informationsprogramme". Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Fritz Pleitgen bezeichnete Schächter "als einen erfahrenen Programm- Manager".

Schächter war schon im September von der Findungskommission als einer von sechs Kandidaten für den Intendantenposten benannt worden, mit seiner Wahl hatte der 52-Jährige selbst aber nicht mehr gerechnet. "Ja, ich bin überrascht, dass ich gewählt worden bin", sagte er. Zunächst sah es am Samstag danach aus, als könne sich der ZDF-Fernsehrat auch im dritten Anlauf nicht auf einen neuen Intendanten einigen. Der vom "roten" - der SPD nahestehenden - Freundeskreis in dem Gremium vorgeschlagene ARD-Programmchef Günter Struve verfehlte die erforderliche Mehrheit von 47 Stimmen mit 33 im insgesamt vierten Wahldurchgang deutlich.

Erst nach langen Beratungen der in dem Gezerre vermittelnden Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU), und der Vorsitzenden der beiden Freundeskreise kam der Durchbruch.

Schächter sagte nach seiner Wahl, es gebe für das ZDF "eine ganze Reihe schwieriger Baustellen". Auf jeden Fall müssten das Programm verjüngt und die Einschaltquoten in den neuen Ländern verbessert werden. "Wir sind nicht so alt, wie uns manche sehen, aber wir müssen daran arbeiten, dass kein Generationenabriss entsteht."

Einsparmöglichkeiten gebe es vor allem im Sport, "wo das Ende der Fahnenstange erreicht ist", in den Informationsprogrammen dagegen nicht. Schächter bezeichnete seinen Führungsstil als kommunikativ. Er sei aber bereit, Entscheidungen gegen Widerstände durchzusetzen. Von Stolte übernehme er ein "geordnetes Haus", sagte Schächter. "Wir sind solide Spitzenklasse in einem harten Wettbewerb."

Trotz des parteipolitischen Gezerres um die Nachfolge sah der Fernsehratsvorsitzende Konrad Kraske keinen Anlass, den Wahlmodus zu ändern, der eine Drei-Fünftel-Mehrheit fordert. Die Schwierigkeiten hätten lediglich gezeigt, "dass Demokratie kein einfaches Geschäft ist". Es gebe aber Diskussionsbedarf.

Der parteilose, aber als konservativ geltende Schächter ist seit mehr als 20 Jahren beim ZDF, seit 1998 als Programmchef. Über die Nachfolge für den Posten des Programmdirektors ist nach seinen Worten noch nicht entschieden.

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