Studenten an der Uni Göttingen lernen mobil
Rechner auf dem Campus über Funk verknüpft

An der Universität Göttingen wurde der erste Abschnitt eines Funk-Netzwerkes in Betrieb genommen, das Lehre und Forschung beflügeln soll. Im Unterschied zum Gönet, dem schnellen universitätsinternen Rechnernetz auf der Basis von Glasfaser-Verbindungen, arbeitet das Funk-Netzwerk kaum anders als ein Mobilfunknetz. An das Gönet angeschlossen sorgen 100 (im Endausbau 150) Sender dafür, das in allen zentralen Räumen eine drahtlose Internet-Verbindung aufgebaut werden kann.

Das neue Netz arbeitet "logisch getrennt" vom Glasfasernetz der Uni, das nur über spezielle Knotenpunkte (Gateways) erreichbar ist. Es gestattet den Studenten die Arbeit mit eigenen Laptops und soll damit die eigens für die Ausbildung eingerichteten Rechnerräume entlasten. Eine entsprechende PCMCIA-Karte (Steckkarte für den mobilen Rechner) vorausgesetzt, kann sich jeder Mitarbeiter und natürlich jeder Student von jedem Punkt im innerstädtischen Universitätsbereich in das Netzwerk einklinken.

Präsentationen im Hörsaal online verteilen

Unter dem Slogan "Internet always on" betont die Universität, sei das Netz vor allem dazu geeignet, Medienbrüche zu vermeiden. Vorlesungsunterlagen, wie z.B. Powerpoint-Präsentationen auf den Rechnern der Dozenten könnten noch im Hörsaal auf alle Laptops der Studenten verteilt werden. Die Lernenden können so Notizen und Zusatzerklärungen schon während der Vorlesung direkt in ihren eigenen mobilen Rechner eingeben und abspeichern. "Damit steht für Forschung und Lehre in Göttingen eine Infrastruktur bereit, die sich mit der amerikanischer Universitäten messen kann", verkündete der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann zur Eröffnung der flächendeckenden Funkversorgung. Den Studenten werde so die Möglichkeit gegeben, den Umgang mit der drahtlosen Netzkommunikation kennenzulernen und einzuüben. Die Kenntnisse über die Möglichkeiten des Internets seien wichtig für künftige Aufgaben im Beruf. Das Funknetz basiert auf dem Standard 802.11 und gestattet eine maximale Verbindungsgeschwindigkeit von 11 Mbit/s. Das entspricht einer 1 000mal schnelleren Übertragung als mit dem herkömmlichen Mobiltelefon und erlaubt sogar Video- und Ton-Übertragungen in Echtzeit.

Vorbehalten gegen die Unsicherheit von Funknetzen begegneten die Projekttechniker mit dem Hinweis auf eine besondere Verschlüsselung auf der Ebene des Internet-Protokolls. Vor kurzem fanden amerikanische Wissenschaftler eine Methode, in ungeschützte Rechnernetze einzubrechen, die per Funk betrieben werden. Wer einen Tag mit einem Lauschgerät in einem solchen Rechnernetz den Datenverkehr verfolge, könne selbst Befehle aussenden und Daten kurz umleiten, warnten die Forscher von der Universität Berkeley.

Waren entsprechende FunkLAN-Karten für den Laptop bislang recht teuer, haben die Göttinger Studenten Glück: Zurzeit fallen die Preise. So hat Kartenhersteller Elsa jetzt angekündigt, den Preis für seine PC-Card Airlancer MC 11 auf 359 DM zu reduzieren. Dieses Modell arbeitet allerdings nur mit der Geschwindigkeit von 2 Mbit/s. Ob die Studenten mit der Funktechnik auch das "neue Lernen weg von der Massenuniversität" praktizieren können, muss sich noch herausstellen. Anders als beim großen Vorbild USA ist es in Deutschland noch lange nicht selbstverständlich, dass Dozenten ihre Skripte zum Download freigeben. So gibt es Befürchtungen, dass Studenten sich gar nicht mehr auf den Weg in die Vorlesungen machen, sondern alles über das Internet kopieren. In Göttingen soll der Vortragende das Passwort für seine Datei an die Tafel schreiben. Doch wenig später soll der Zugang durch ein neues Schlüsselwort wieder gesperrt werden.

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