Studenten protestieren
Führung Irans unter Druck

Die islamische Führung Irans steht zunehmend unter Druck. In den östlichen und westlichen Nachbarländern Afghanistan und Irak sind nun Truppen des Erzfeindes USA stationiert. Washington wirft der islamischen Republik eine Unterstützung des Terrornetzwerks El Kaida vor. Zudem ist das iranische Atomprogramm international in die Kritik geraten. Jedes dieser Probleme allein bereitet der Führung in Teheran schon genug Kopfzerbrechen.

dpa TEHERAN. Hinzu kommen jetzt noch die Studentenproteste. Sogar Regierungsvertreter sprechen angesichts der Summe dieser Probleme inzwischen von der größten Herausforderung der iranischen Führung seit der islamischen Revolution im Jahre 1979.

Studenten, deren Zahl mit hunderten oder gar tausenden angegeben wird, protestieren seit Tagen in Teheran. Sie skandieren Parolen gegen das geistige Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, und sogar gegen den reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami. Am Wochenende forderte das Kultusministerium ausländische Pressevertreter auf, sich von einem Studentenwohnheim in Teheran fernzuhalten, um das sich die Proteste konzentrieren. Islamisten, die den konservativen Ajatollahs nahe stehen, sollen trotz eines Verbots dort protestierende Studenten angegriffen haben.

Die konservativen Ajatollahs wollen dem Druck der USA iranische Einigkeit entgegensetzen. Doch die Studentenproteste stellen dies in Frage. Bei den seit Tagen andauernden Demonstrationen fordern Studenten und Oppositionelle - darunter angeblich auch Monarchisten - ein Referendum über grundlegende Veränderungen. Eine solche Volksabstimmung war zunächst von den Reformkräften um Präsident Chatami in die politische Diskussion eingebracht worden, nachdem die Hardliner in Wächterrat eine Gesetzesvorlage abgelehnt hatten, die dem Präsidenten mehr Macht zugestanden hätte.

Studenten, die noch zu Chatami halten, wollen wie die Reformkräfte um den Präsidenten das islamische Fundament Irans nicht antasten. Sie möchten, dass der Präsident in Zukunft auch die Rolle des Staatsoberhaupts übernimmt. Dieses Amt hat derzeit Chamenei als geistliches Oberhaupt inne. Nach Ansicht von Beobachtern haben einige der protestierenden Studenten, die von Chatami enttäuscht sind, nun weit reichendere Forderungen: Sie wollen einen demokratischen Staat nach westlichem Muster.

Welche Gruppe derzeit stärker ist, ist nach Angaben von Beobachtern schwer einzuschätzen. Chatami laufe aber Gefahr, die ihm bisher wohlgesonnenen Studenten zu verprellen, sollte er keine Schritte gegen seine konservativen Gegner unternehmen.

Die Führung in Teheran verurteilt die Demonstranten als "politische Söldner" der USA und wirft Washington vor, die Demonstrationen "angestachelt" zu haben. Nach Teheraner Lesart verfolgt Washington über die Einflussnahme auf Studenten sein langjähriges Ziel, das islamische System in Iran zu Fall zu bringen.

US-Außenamtssprecher Richard Boucher hatte in der vergangenen Woche die "Bemühungen des iranischen Volks, Aufmerksamkeit auf die zerstörerische Politik ihrer Regierung zu lenken", begrüßt und die Festnahme von iranischen Studenten mit Besorgnis zur Kenntnis genommen.

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