Studie: Anbieter von Renten-Produkten schwenken um
Betriebliche Altersvorsorge gilt als das Geschäft der Zukunft

Die Anbieter von Riester-Rente-Produkten sind 100 Tage nach den ersten Zertifizierungen ernüchtert. Nun setzen sie stärker darauf, die Kunden über die betriebliche Altersvorsorge zu erreichen.

FRANKFURT/M. Dies sind die Ergebnisse einer Studie der Unternehmensberatung PwC Consulting zur Entwicklung des deutschen Altervorsorgemarkts. Das Beratungsunternehmen hat dafür im Februar und März diesen Jahres 49 aktive und potenzielle Anbieter der staatlich geförderten Rentenprodukte befragt.

"Die Euphorie der Anbieter für die private Altersvorsorge hat sich etwas relativiert", sagt Dirk Fach, Autor der Studie und Altersvorsorge-Experte bei PwC Consulting. Dass die ersten veröffentlichten Absatzzahlen die Anbieter verunsichert haben, zeigen die Unterschiede bei ihren Schätzungen des zusätzlichen Marktpotenzials durch das Altersvermögensgesetz im Jahr 2010: Sie variieren zwischen 40 und 548 Mrd. Euro. Der Mittelwert sei jedoch um 32 % auf 136 Mrd. Euro gestiegen, sagt Fach.

Als Grund für die Zurückhaltung sehen die PwC-Berater unter anderem die unsichere Gesetzeslage. Bei der privaten Altersvorsorge sei den Anbietern oft nicht klar, wie die Zusammenarbeit mit den Behörden im Detail funktionieren werde. Auch bei den Vorgaben für Pensionsfonds gebe es noch Klärungsbedarf, sagt Fach. So seien die Anlagebestimmungen noch nicht genau formuliert. "Die Riester-Produkte sind zu komplex", sagt Friedrich von Metzler, Partner des gleichnamigen Bankhauses, auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Die starke Reglementierung der Produkte zeige, dass der Gesetzgeber den Bürgern nicht zutraue, eigenständige Entscheidungen zu treffen.

So setzten die Anbieter nun stärker darauf, die Arbeitnehmer über die Unternehmen zu erreichen, sagt Fach. Mittel- bis langfristig erwarten diese, dass die Gelder zu rund zwei Dritteln in die betriebliche Altersversorgung fließen. Außerdem glauben drei von vier Anbietern, dass die Bedeutung von Pensionsfonds als moderne Variante der betrieblichen Altersversorgung stark zunimmt. In den USA haben Betriebsrenten seit langem große Bedeutung. Seit den neunziger Jahren ist der so genannte "401K"-Plan, eine steuerbefreite Sparform, beliebt. Mit Investitionen in offene Pensionsfonds versuchen so US-Bürger, ihre Altersvorsorge aufzubessern. Sie können mit den Plänen bis zu 10 000 Dollar im Jahr einkommensteuerfrei zurücklegen, und für jeden gesparten Dollar gibt der Staat 50 Cent hinzu. Dabei können die Sparer die Anlageform selbst wählen, die Rente richtet sich nach der Wertentwicklung des Fonds.

Ob das "401K"-Modell ein Vorbild für die europäischen Altersvorsorgesysteme sei, wollte Olivia S. Mitchell, Professorin an der Wharton School, auf einer Veranstaltung in Frankfurt nicht sagen. "Sicher ist jedoch, dass sich in Europa der Trend hin zu einer stärker kapitalgedeckten Altersvorsorge fortsetzen wird. In alternden Gesellschaften gibt es hierzu keine Alternative", sagte sie. Als Vorteil des "401K"-Modells sieht sie die Möglichkeit, das Portfolio nach den eigenen Risikovorstellungen auszurichten. Vorsichtige Anleger könnten ihr Geld ausnahmslos in Renten anlegen. Außerdem könnten Arbeitnehmer beim Jobwechsel das Geld mitnehmen. Auch eine Auszahlung als Pauschalbetrag ist möglich.

Das größte Problem bei den "401K"- Produkten sei das mangelnde Finanzwissen vieler Arbeitnehmer, sagt Mitchell. Viele der Sparer hätten ihr Portfolio auf zu wenige Werte gestreut. Dafür verantwortlich sind oft Firmen, die ihre Beschäftigten drängen, den größten Teil des Plans in Aktien des eigenen Unternehmens anzulegen. 3,9 der 23 Millionen Nutzer von "401K" hätten über 80 % ihres Anlagegeldes in den Aktien des eigenen Unternehmens angelegt, sagt Mitchell. Bei der Pleite des Energiehändlers Enron verloren so Tausende von Mitarbeitern ihre Rente. "Der Staat und die Firmen müssen die Arbeitnehmer in Finanzfragen besser ausbilden. Dieser Prozess sollte schon in den Schulen beginnen", sagte Mitchell.

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