Studie der Initiative D21 sieht Ausbildungsnotstand
In Deutschland fehlen 150 000 Informatiker

ddp BERLIN. Eine noch unveröffentlichte Studie der Initiative D21 sieht einen Ausbildungsnotstand in der Informationstechnologie. Der Ausbau und die Verbesserung der Ausbildung für IT-Berufe sei in Deutschland dringend notwendig, heißt es in dem Papier, das der Nachrichtenagentur ddp vorliegt. Im Auftrag der Initiative D21 wurden in den vergangenen Monaten die Studienbedingungen in der Informatik und verwandten Fächern an 60 deutschen Universitäten und Fachhochschulen untersucht. Demnach reichen auch die mittelfristig zu erwartenden 12 000 bis 16 000 Hochschulabsolventen bei weitem nicht aus, um den Bedarf an IT-Fachkräften zu decken. Die akute Lücke auf dem Arbeitsmarkt für Computerspezialisten schätzt die Studie auf 150 000 Arbeitsnehmer., darunter 60 000 Fachkräfte mit einem Universitäts-Diplom. Die Studie soll am 19. Februar auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover veröffentlicht werden.

Die Ursachen für den akuten Fachkräftemangel findet die Studie unter anderem in den besonders hohen Abbrecherquoten im Fach Informatik. Rund 60 % derjenigen, die ein Informatikstudium aufnehmen, verließen die Hochschule ohne Abschluss, sagt IBM-Ausbildungsleiter Hans-Peter Cinka, der für die Initiative D21 an der Auswertung der Studie beteiligt war. Darüber hinaus seien Informatiker, die an deutschen Universitäten ausgebildet werden, oftmals nicht richtig qualifiziert. "Das Informatikstudium ist bei uns viel zu theorielastig", sagt Cinka. Spezialisierte Fachkräfte müssten deshalb für den Einsatz im Unternehmen erst umgeschult werden.

Gesucht werden Informatiker und Computer-Fachkräfte

Betroffen sind vom Fachkräftemangel der Studie zufolge nicht allein die Unternehmen des IT-Sektors, sondern auch IT-Anwendungsunternehmen. "Wir befinden uns in einem Vakuum", sagt Cinka. Projekte würden nicht angefasst, weil es keine Leute gebe, die sie bearbeiten könnten. Die Studie sieht im Fachkräftemangel deshalb eine Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft.

Die Green Card-Initiative der Bundesregierung reiche bei weitem nicht aus, um diese Lücke zu schließen, zumal in allen westlichen Industrieländern Computer-Fachkräfte fehlten. Deshalb fordert die Studie neben einem Ausbau der Ausbildungskapazitäten "Maßnahmen zur Senkung der Abbrecherquoten" im Studienfach Informatik. Vor allem müsse die Betreuung der Studierenden verbessert und Studienanfänger von Beginn an besser gefördert werden. Zudem fordert die Studie, dass Ausbildungsinhalte sich stärker als bisher an den Bedürfnissen der Unternehmen orientieren und spezielle, praxisorientierte Studiengänge aufgebaut werden müssten. Auch sollten Bachelor-Abschlüsse angeboten werden, die junge Menschen bereits nach drei Jahren für einen Beruf qualifizierten.

Green Card allein genügt nicht - die Verantwortung liegt bei Politik und Unternehmen

Die Verantwortung, die Lücke auf dem IT-Arbeitsmarkt zu schließen, sieht die D21-Studie gleichermaßen bei Politik und den Unternehmen. Die Politik müsse die Modernisierung des deutschen Hochschulwesens weiter verfolgen. Doch auch Unternehmen seien dafür verantwortlich, ihre Mitarbeiter fortlaufend zu weiterzubilden. Auch die Ausweitung von Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft sei wünschenswert.

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