Studie der Universität Eichstätt
Der neue Onlinejournalismus hat in Deutschland noch nicht Fuß gefasst

dpa HAMBURG. Es gibt kaum einen Verlag oder TV-Sender, der derzeit nicht sein Internet-Standbein ausbaut. Und kaum ein anderes Berufsbild boomt in der Medienbranche so stark wie das des Online- Redakteurs. Doch wie weit ist es den Neuen Medien gelungen, auch eine eigenständige Form des Journalismus zu schaffen? Eine Untersuchung der Katholischen Universität Eichstätt über den Online-Journalismus zieht in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Media Perspektiven" ein verhaltenes Fazit: Insgesamt lasse die Geburt eines "völlig neuen Journalismus", der durch Bild und Ton sowie Hypertext das Erzählen perfektioniere und durch Interaktivität eine größere Publikumsnähe erreiche, noch auf sich warten.



Wie eine Befragung der Universität unter 187 Online- Redaktionsleitern ergab, verfolgen die traditionellen Massenmedien vor allem die Strategie, über das Internet das eigene Kerngeschäft zu schützen. Während Tageszeitungen sowie Hörfunk- und Fernsehsender mit Hilfe des Internet-Auftritts eine Doppelnutzung erreichen wollten, nehmen Zeitschriften eher Probenutzer ins Visier, die für das Mutterblatt noch als Leser gewonnen werden sollen. Deshalb ist es für die Wissenschaftler wenig überraschend, dass sich die Internet- Redaktionen von Print und Rundfunk stark auf Zulieferungen vom Mutterhaus stützen.

Im Schnitt wird die Hälfte der Artikel online übernommen

Insgesamt - so wird in der Studie erläutert - werden die Hälfte der Online-Artikel von den Mutterhäusern übernommen. Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Untersuchung der Online-Angebote der drei in ihren Ländern führenden Blätter "Süddeutsche Zeitung" (München), "Die Presse" (Wien) und "Neue Zürcher Zeitung": In keiner der Zeitungen fand Matthias Zürn von der Universität Mannheim Ende letzten Jahres einen nennenswerten Anteil von reinen Online-Artikeln. Alle drei Zeitungen boten zwar grundsätzlich die Möglichkeit, sich per E-Mail bei der Redaktion zu melden. Allerdings gestalte es sich schwierig, den jeweiligen Autor eines Artikels per elektronischer Post zu erreichen, konstatiert die ebenfalls in "Media Perspektiven" veröffentlichte Studie.

Die Forscher stellen jedoch fest, dass die neue Form des Journalismus Konturen mit eigenen Standards gewinne. Vor allem die Online-Redaktionen von reinen Netz-Anbietern, aber auch Rundfunk und General-Interest-Zeitschriften nutzten die technischen Möglichkeiten des neuen Mediums. Unter den Tageszeitungen wurden vor allem der Online-Ausgabe der " Financial Times Deutschland " und der "Welt" gute Noten gegeben, da sie zum Beispiel mit regelmäßigen "Links" in den Artikeln der Print-Ausgabe eine enge Verknüpfung mit dem Internet anstreben. Deren Internet-Auftritte wirkten nicht "wie ein notwendiges Übel", sondern machten den Eindruck eines sehr bewussten und bejahenden Online-Umgangs, lobt Zürn.

Zugleich musste der Wissenschaftler erkennen, dass angesichts der Schnelllebigkeit des Internets auch Forschungsergebnisse eine kurze Halbwertzeit besitzen können. Inzwischen haben - wie der Mannheimer Forscher konzediert - sowohl die " Süddeutsche Zeitung " als auch "Die Presse" ihren Internet-Auftritt überarbeitet. Das Angebot wurde etwa durch verbesserte Recherche im Onlinearchiv oder durch einen aktuellen News-Ticker ausgeweitet.

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