Studie der Unternehmensberatung Roland Berger erwartet Angleichung an die Westmärkte
Chinas Autoindustrie erwartet massive Veränderungen

Chinas Autoindustrie steht nach dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation WTO Anfang 2002 eine massive Bereinigung ins Haus.Das geht aus einer Studie von Roland Berger hervor.

mg PEKING. Laut dem Beratungsunternehmen Roland Berger soll die Nachfrage nach Automobilen bis 2004 jährlich zwar um 9 % wachsen. Doch wegen drastischer Überkapazitäten werde die Nachfrage erst in acht Jahren die Produktion einholen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 670 000 Pkw gekauft, im Jahr 2010 sollen es rund 2 Millionen sein. Und obwohl die 118 Hersteller in China nicht einmal zur Hälfte ausgelastet sind, planen sie bis 2005 eine Expansion der Fertigung um fast ein Drittel auf mehr als 1,8 Mill. Einheiten pro Jahr. Nur vier von 118 Herstellern in China erzielen derzeit nach Angaben des bei VW für China zuständigen Vorstandes Robert Büchelhofer Gewinne. Roland Berger erwartet, dass nach Ende eines Ausleseprozesses fünf bis sechs Hersteller Chinas Autoindustrie dominieren. Von rund 6 000 Lieferanten würden 70 % aus dem Markt ausscheiden.

Am stärksten soll die Nachfrage im Bereich kleinerer Personenwagen von 1 bis 1,6 Liter-Motoren wachsen - ein Segment, das der Marktführer Volkswagen in China jetzt verstärkt mit dem seit Anfang August in Changchun produzierten Bora abdeckt. Dieses Segment soll bis 2005 um jährlich 16 %, danach um 21 % wachsen. Den Kompaktwagen sagt die Studie das geringste Wachstum aller Segmente vorher.

Freie Modellpolitik

Die treibende Kraft für das Wachstum werden laut Roland Berger private Autokäufe sein. Jede zehnte Familie entlang der boomenden Küste Chinas will angeblich in den nächsten 12 Monaten ein Auto kaufen. In fünf Jahren soll es jede zweite Familie sein. In den Ballungsräumen Chinas wohnen derzeit mehr als 120 Millionen Familien.

China hat sich im Rahmen der WTO-Verhandlungen verpflichtet, den Herstellern eine freie Modellpolitik zu erlauben und Mindestquotenregelungen für die einheimische Produktion abzuschaffen. Darüber hinaus will man ausländischen Herstellern den Aufbau von Vertriebsnetzen und Finanzdienstleistungen erlauben und ausländische Beteiligungen nicht beschränken. Innerhalb von fünf Jahren sollen die Importtarife für Pkw von jetzt 70 bis 80 % auf ein Viertel fallen. Automobile sollen in dieser Zeit um bis zur Hälfte billiger werden.

Saftige Preisaufschläge

Chinas hermetisch abgeschotteter Automarkt erlaubt lokalen Herstellern bislang saftige Preisaufschläge. Der Santana GLS, der am Weltmarkt für 78 000 Yuan (rund 25 000 DM) zu haben ist, kostet in China derzeit 100 000 Yuan. Erst 2004 soll laut Roland Berger in China der Preis für dieses Modell auf das Weltmarktniveau sinken. Der Audi A6 - er hat ein Drittel des Marktes für Luxuswagen in China erobert - ist dort mehr als doppelt so teuer wie in Deutschland. Die absehbaren Preissenkungen werden die Zulieferer im Land drastisch unter Druck setzen. Autokomponenten kosten in China bis zu 40 % mehr als auf dem Weltmarkt. Die Hersteller wollen in fünf Jahren die Preise ihrer Lieferanten um mindestens um knapp ein Drittel senken, um 8 bis 10 % pro Jahr.

Roland Berger stellt für die nächsten zehn Jahre folgendes Szenario in China auf: Es wird zu stärkerer Kontrolle lokaler Fertigung durch die internationalen Konzerne kommen. Gleichzeitig aber werden chinesische Hersteller in Standardsegmente und in den Aufbau moderner Vertriebsnetze vordringen. Für die Zeit von 2005 bis 2010 werden zunehmende Importe, eine Fusionswelle und eine wachsende Dominanz der internationalen Automultis vorhergesagt. Im nächsten Jahrzehnt soll der Konzentrationsprozess abgeschlossen sein. Nur global tätige Konzerne werden in China überleben. Dessen Markt wird sich westlichen Märkten annähern und zunehmend für den Export fertigen.

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