Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin
Falsches Signal bei Vorstandgehältern

Die eingebrochenen Aktienkurse haben viele deutsche Top-Manager nicht davon abgehalten, kräftig beim Gehalt zuzulangen: Die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden sind laut einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin in den vergangenen drei Jahren deutlich stärker gestiegen als die ihrer Kollegen in Großbritannien und den USA - und das obwohl die einheimischen Großkonzerne schlechter abschnitten.

vwd FRANFURT. "Die Entkoppelung von Kursentwicklung und Vergütung ist das falsche Signal an die Aktionäre und Mitarbeiter", sagt Towers-Vergütungsexperte Michael Kramarsch.

Basierend auf öffentlichen Quellen wurden insgesamt 29 Unternehmen aus den Branchen Luftverkehr, Automobil, Banken, Versicherungen, Telekommunikation und Pharma untersucht, wobei die Daten der jeweils zwei größten Gesellschaften der drei Länder einflossen. Die Vorstandsvorsitzenden der zehn deutschen Unternehmen steigerten der Studie zufolge ihre Bezüge zwischen 1999 und 2001 im Durchschnitt um 74 Prozent, während die Aktionärsrendite (Total Shareholder Return - TSR) bestehend aus Kurs- und Dividendenentwicklung um 15 Prozent zurückging.

Nachholbedarf bei deutschen Vorstandsgehältern

Dagegen legten die Gehälter der Chief Executive Officers (CEO) in Großbritannien immerhin noch um rund 55 Prozent zu - allerdings bei einer Aktionärsrendite von nur minus 7,5 Prozent. In den USA stiegen die CEO-Bezüge um knapp 16 Prozent bei einer negativen Aktionärsrendite von knapp 13 Prozent. Dass in Deutschland die Vorstände im internationalen Vergleich unterbezahlt seien, lässt Kramarsch nicht gelten: "Es gab Nachholbedarf, bis auf wenige Ausnahmen wurde inzwischen aber ein vernünftiges Niveau erreicht."

Was die Studie aber nach Ansicht von Kramarsch deutlich zeigt, ist das Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung: Bezüge müssen in schlechten Zeiten auch zurückgehen können." Dagegen würden in Deutschland die eigentlich erfolgsabhängigen Tantiemen dem Vorstandsvorsitzenden auch bezahlt, wenn die Vorgaben nicht erreicht wurden. Für Rolf Drees von Union Investment steht mit einem solchen Verhalten die Glaubwürdigkeit gegenüber Mitarbeitern und Aktionären auf dem Prüfstand: "Die Führungskräfte müssen auch am eigenen Beispiel zeigen, dass sie verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen."

Hypo-Vereinsbank bietet negatives Beispiel

Beim Vergleich von Towers Perrin schnitt die Hypo-Vereinsbank AG, München, am schlechtesten ab. Die Unternehmensberater errechneten von 1999 bis 2001 für den Vorstandsvorsitzenden Albrecht Schmidt eine Gehaltssteigerung von 232 Prozent. Gleichzeitig sei die Aktionärsrendite um über 48 Prozent gesunken. Da im Geschäftsbericht nur die aufsummierten Bezüge des gesamten Vorstands ausgewiesen werden, setzt Towers Perrin das Gehalt des Vorsitzenden mit dem 1,75-fachen des durchschnittlichen Vorstandsgehalts an. Wie ein Sprecher der HVB betonte, hat Schmidt bereits wiederholt darauf hingewiesen, nicht die Hälfte der knapp vier Mill. Euro zu verdienen.

Die stark gestiegenen Ausgaben für Vergütungen gehen laut dem Münchener Finanzinstitut auf Sonderfaktoren zurück: So sei eine ganze Reihe von Vorständen vorzeitig ausgeschieden und mit Stefan Jentzsch sei ein neues Mitglied aufgenommen worden, dessen Long-Term-Incentives bei seinem früheren Arbeitgeber hätten abgelöst werden müssen. "Dieses und nächstes Jahr werden die Bezüge deutlich zurückgehen, denn entsprechend der Vergütungsstruktur wird die Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres bei der Berechnung der variablen Bestandteile herangezogen", kündigte der HVB-Sprecher an.

Wie die Studie weiter zeigt, liegen fünf der zehn untersuchten deutschen Unternehmen im letzten Drittel: Neben der Hypo-Vereinsbank findet sich dort die Deutsche Telekom AG, Bonn, mit Gehaltssteigerungen von 161 Prozent bei einer Aktionärsrendite von minus 72 Prozent, die Deutsche Bank AG, Frankfurt, (104 Prozent/minus 2,83) sowie die Allianz AG (90 Prozent/ minus 20 Prozent). Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück erhielt 86 Prozent mehr, immerhin aber legte die Aktionärsrendite um knapp 22 Prozent zu.

Daimler-Chrysler als positives Beispiel

Dagegen gingen die Bezüge von Jürgen Schrempp, Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler, nahezu im Gleichklang mit der Aktionärsrendite zurück - nämlich um rund 31 Prozent. Freuen durften sich hingegen die Aktionäre der Schering AG, Berlin: Unterm Strich nahm die Rendite um 55 Prozent zu, während der Vorstandsvorsitzende nur 28 Prozent mehr verdiente.

Spitzenreiter in der Tabelle von Towers Perrin ist der US-Pharmahersteller Johnson&Johnson. Dort büßte der CEO 61 Prozent seiner Bezüge ein, gleichzeitig nahm die Aktionärsrendite um 30 Prozent zu. Die Tabelle mit den Ergebnissen der Studie erscheint am Mittwoch im Hintergrunddienst Czerwensky intern.

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