Studie des B.A.T-Institutes
In der Krise wird Urlaub kürzer und billiger

Die Touristikwirtschaft steht nach Ansicht des Freizeitforschers Professor Horst W. Opaschowski 2003 vor einem weiteren schwierigen Jahr. Seiner jüngsten Tourismusanalyse zufolge werden die Deutschen trotz ungebrochener Reiselust weniger Geld für ihren Urlaub ausgeben.

Reuters HAMBURG. Die Branche müsse sich auf grundlegende Veränderungen hin zu kürzeren, billigeren Reisen und weniger Flugurlaub einstellen, sagte Opaschowski am Mittwoch anlässlich der Präsentation der jährlichen Studie in Hamburg.

"Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Die Zahl der Reisewilligen ist auch zu unserer Überraschung konstant. Aber die Reisen werden kürzer und der Preis spielt eine entscheidende Rolle", sagte Opaschowski, Leiter des Hamburger B.A.T.-Freizeit-Forschungsinstitutes, der Nachrichtenagentur Reuters. Somit ließen sich auch die Umsatzeinbußen der großen Reisekonzerne erklären, obgleich die Zahl der Reisenden mit 35 Millionen im vorigen Jahr im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht angestiegen sei.

Die Tourismusanalyse, die sich auf 5000 Befragte stützt, förderte trotz der auch aktuell weiterhin rückläufigen Buchungszahlen bei den großen Veranstaltern eine stabile Bereitschaft der Deutschen zum Verreisen zu Tage. Wie im Januar 2002 hätten 47 Prozent der Befragten auch jetzt bereits zu Jahresbeginn feste Reisepläne, sagte Opaschowski.

Zurückhaltung bei Flugreisen erwartet

Geändert habe sich aber das Reiseverhalten. Der etwa ein Jahrzehnt lang konstante Anteil kürzerer Reisen zwischen fünf und 13 Tagen habe sich im vorigen Jahr um 50 Prozent erhöht. Bisher war etwa jede zehnte Reise ein Kurzurlaub, im vorigen Jahr dagegen bereits jede siebte. Das Geschäft mit der klassischen zwei- oder dreiwöchigen Pauschalreise sei hingegen rückläufig, auch wenn deren Anteil am Gesamtmarkt noch immer bei 39 Prozent (2001: 41 Prozent) liege. Die konjunkturelle und weltpolitische Unsicherheit wird sich der Studie zufolge aber auch 2003 vor allem negativ auf Flugreisen auswirken, mit denen gerade die großen Reisekonzerne wie TUI und Thomas Cook bisher den Großteil ihres Umsatzes machen.

Dabei hängt die Entwicklung des Tourismus im größten europäischen Reisemarkt Deutschland nach Ansicht Opaschowskis nicht so sehr von weiteren Anschlägen in Urlaubsregionen oder einem Irak-Krieg ab, sondern von den wirtschaftlichen Bedingungen. Ein Krieg gegen Irak werde nur vorübergehend zu einer Stagnation im Urlaubsgeschäft führen. Urlaubsziele könnten sich in sichere Regionen verlagern.

"Wichtigster Faktor für die Urlaubsentscheidung ist die Konjunktur", sagte Opaschowski. "Die Menschen entscheiden nach ökonomischen Notwendigkeiten." Noch stärker als bisher spiele der Preis einer Reise eine zentrale Rolle. Gerade die neuen Billigfluglinien hätten deshalb gute Chancen. Davon könnten vor allem Städte-Kurzreisen profitieren.

Mehr Flexibilität erforderlich

Andere Zeiten, andere Ziele und andere Verkehrsmittel seien gefragt, sagte Opaschowski. "Wenn die Reiseveranstalter jetzt von der individualisierten Pauschalreise sprechen, ist das allerdings die Quadratur des Kreises. Das geht eigentlich nicht. Gefragt sind Reiseangebote nach dem Baukastensystem". Die Zeiten langfristiger Kapazitätsplanungen für Flüge und Hotels seien für die Reisekonzerne endgültig vorbei. Ein Großteil buche heute erst vier Wochen vor Reisebeginn.

Wichtigstes Reiseziel der Deutschen bleibe das eigene Land mit einem Anteil von einem Drittel. Bei den Auslandszielen sei Spanien mit einem Marktanteil von gut 13 Prozent Nummer eins, aber mit weiterhin abnehmender Tendenz zugunsten von Italien, Kroatien und der Türkei.

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