Studie des britischen Mooyaart-Instituts
Deutsche Banken haben Feingefühl bei Eurobonds

Deutsche Banken spielen am Anleihemarkt in einigen Segmenten die erste Geige.

LONDON. Deutsche Banken spielen am internationalen Anleihemarkt in einigen Marktsegmenten die erste Geige. Doch wird ihre Fähigkeit zur Ermittlung des richtigen Preises bei einer Bondplatzierung - eine der wesentlichen Dienstleistungen von Emissionsbanken - unterschätzt. Dies besagt eine aktuelle Untersuchung des britischen Analyse Mooyaart Ltd. -Instituts die den Emissionsmarkt seit Beginn des Jahres durchleuchtet hat.

Für die im Emissionsgeschäft viel beachteten Ligatabellen der Investmentbanken ist traditionell das Platzierungsvolumen das Hauptkriterium, also der Gesamtwert der Anleihen, die eine Bank in einer Währung an den Markt gebracht hat (siehe aktuelle Tabelle von CapitalData). Würde man zusätzlich das Volumen der korrekt "gepreisten" Anleihen heranziehen, sähen die deutschen Emissionsmanager deutlich besser aus als bisher (vgl. Tabelle Mooyaart).

"Vor allem im Euro zeichnen sich Deutschen durch ein sicheres Händchen beim Finden des korrekten Preises aus", sagt Mooyaart Ltd. "Sogar Banken, die im Vergleich zur Konkurrenz keine großen Akteure am Markt sind, etwa die DG-Bank oder die Hypo-Vereinsbank, haben bislang ihre Deals sehr genau gepreist", lobt die Erhebung.

Internationale Anleihen müssen in der Regel mit einem Preisaufschlag über einer Richtgrößenanleihe (Benchmark) platziert werden. Als solche dient zumeist ein liquide gehandeltes und deshalb stabil bewertetes Papier eines "sicheren" öffentlichen Schuldners. Der Investor entscheidet, ob er den Aufschlag, der das höhere Kreditrisiko reflektiert, akzeptiert oder zu teuer findet. Der Emittent bekommt seinerseits einen Vorschlag der von ihm beauftragten Emissionsbank, wie hoch man mit dem Preis über die Benchmark hinausgehen sollte, um den Deal attraktiv zu machen.

Die Kunst der betreuenden Banken (Lead Manager und Bookrunner genannt) ist es, beide Seiten zufrieden zu stellen - also einen Preisaufschlag zu ermitteln, der den Schuldner möglichst wenig Zinsen kostet und den Investor dennoch zum Kauf des Schuldpapiers reizt.

Der Anleihenmarkt ist weit weniger transparent als der Aktienmarkt. Wie der Bondmarkt eine neu platzierte Anleihe beurteilt, hängt daher außer vom Preis von einer Reihe weiterer Faktoren ab. Neben der Bonität des Emittenten (ausgedrückt in einem Rating) spielt es eine Rolle, wie oft der Begeber bereits den Markt angezapft hat und wie sich die bereits umlaufenden Anleihen am Sekundärmarkt entwickeln. Auch allgemeine Marktstimmungen - etwa Bonitätskrisen in Schwellenländern - können den Emissionspreis verzerren. Schließlich spielt die Kundenbasis der vertreibenden Bank und deren momentane Aufnahmebereitschaft für eine bestimmte Emissionswährung eine wesentliche Rolle für den Erfolg einer Bondplatzierung.

Die Hauptmesslatte für Mooyaart ist jedoch die aktuelle Preiskurve eines Emittenten. "Misst man den Abstand (Spread) in der Marktverzinsung zwischen einem Bond und einem Bündel liquider Referenzanleihen und berücksichtigt das aktuelle Preisverhalten bereits umlaufender Platzierungen am Sekundärmarkt, erhält man die Preiskurve eines bestimmten Emittenten. Sie zeigt an, was der Markt von einer Neuemission im Moment preislich erwartet", argumentieren die Bondanalysten, die genau dies systematisch getan und so die Preisgenauigkeit der Banken bewertet haben. "Im Eurobereich sind die deutsche Banken auch nach reinem Platzierungsvolumen gerechnet erfolgreich. Nimmt man jedoch das Kriterium Preisgenauigkeit hinzu, rutschen Dresdner und Commerzbank kräftig nach oben." Die US-Häuser hingegen hätten in diesem Markt zur Zeit eindeutig Probleme.

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