Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Mehrarbeit durch Teilzeitstellen

Die Umwandlung von Voll- in Teilzeitstellen bringt nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern meist Mehrarbeit für die übrigen Kollegen.

HB/dpa NÜRNBERG. In rund einem Drittel der Fälle hätten Firmenchefs die verbliebenen Aufgaben der früheren Vollzeit- Mitarbeiter "auf andere Beschäftigte verlagert", geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu den Auswirkungen des neuen Teilzeitgesetzes hervor. Es war zum Jahresanfang 2001 in Kraft getreten und sieht erstmals ein Recht auf Teilzeitarbeit vor.

In weiteren 19 Prozent der Fälle hätten Unternehmen die Umwandlung einer Vollzeitstelle dazu genutzt, eine halbe Stelle wegfallen zu lassen oder die damit verbundenen bisherigen Aufgaben wegzurationalisieren. Dabei sei diese Tendenz im Westen stärker als im Osten ausgeprägt. "Offensichtlich können größere Unternehmen auf Grund vielfältiger personalpolitischer Optionen Arbeitszeitverkürzungen eher kompensieren als Kleinbetriebe", berichten die Autoren der Studie.

Trotzdem habe im Schnitt jede zweite Umwandlung einer Vollzeit- in eine Teilzeitstelle einen "beschäftigungswirksamen Effekt" gehabt: So hätten Firmen in 15 Prozent der 73 300 untersuchten Fälle zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. In den alten Bundesländern habe Teilzeit in 16 Prozent, in den neuen Bundesländern sogar in 23 Prozent der Fälle einen Personalabbau vermieden. In 14 Prozent (Westen) sei die mit der Teilzeit entstandene Lücke dadurch ausgefüllt worden, dass man die Arbeitszeiten von anderen Teilzeitkräften verlängerte. Im Osten war dies zu neun Prozent der Fall.

Entgegen den Befürchtungen der Oppositionsparteien sei das neue Teilzeitgesetz ohne größere Konflikte umgesetzt worden. Nur 0,4 Prozent der untersuchten Anträge auf Teilzeit seien streitig verlaufen. 3,5 Prozent der Anträge seien aus dringend betrieblichen Gründen abgelehnt worden. "Insgesamt dürfte das Gesetz bisher sehr reibungsarm, einvernehmlich und partnerschaftlich umgesetzt worden sein", heißt es in der IAB-Bilanz. Am meisten hätten Frauen von dem neu verankerten Recht auf Teilzeit Gebrauch gemacht. Ihr Anteil habe im Untersuchungszeitraum von Januar bis Herbst 2001 bei 78 Prozent gelegen.

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