Studie des Vereins Creditreform
Pleitewelle und Gründerflaute kosten 340 000 Jobs

Durch eine Pleitewelle und das Abflauen des Gründerbooms in Deutschland gehen in diesem Jahr einer Studie zufolge 340 000 Arbeitsplätze mehr verloren, als neue geschaffen werden. Die Zahl der Insolvenzanträge von Firmen und Haushalten werde voraussichtlich um knapp 20 Prozent auf 50 000 steigen, teilte der Informationsdienstleister Creditreform am Dienstag in Düsseldorf bei der Vorlage seiner traditionellen Halbjahresumfrage mit.

Reuters DÜSSELDORF. Im vergangenen Jahr fiel der Rückgang der Arbeitsplätze durch Firmenbankrotte und Neugründungen mit 130 000 Stellen nur halb so groß aus. Der volkswirtschaftliche Schaden durch die beantragten Insolvenzen werde voraussichtlich auf bis zu 75 (Vorjahr: 53) Milliarden Mark steigen, sagte Creditreform-Chef Helmut Rödel.

Die Creditreform erfasst in ihrer halbjährlichen Umfrage Anträge auf Zahlungsunfähigkeit von Unternehmern, Verbrauchern sowie Vereinen und Stiftungen. Neben der traditionell stark betroffenen Baubranche gingen nun immer mehr Dienstleister in Konkurs, sagte Rödel weiter. Unter den am Neuen Markt der Frankfurter Börse notierten Firmen trügen diejenigen das höchste Pleiterisiko, die im Internet-Handel mit Verbrauchern tätig seien. Insgesamt sei das Insolvenzrisiko am Neuen Markt aber geringer, weil viele Bankrott-Kandidaten oftmals gekauft würden.

Den diesjährigen Anstieg der Insolvenzen signalisierten bereits die Halbjahreszahlen, sagte Rödel weiter. Zum ersten Mal seit 1996 zeige sich in einem Halbjahr ein zweistelliger Zuwachs auf nunmehr 22 300 Fälle. Damit habe sich die Zahl der Insolvenzen binnen zehn Jahren verdreifacht, kommentierte Rödel die Halbzeit-Bilanz für 2001. 85 Prozent der Pleiten und damit deutlich mehr als im Vorjahr beträfen Firmen, der Rest entfalle auf Privatpersonen. Die absolute Zahl der Insolvenzen könnte in diesem Jahr sogar noch über die prognostizierten Werte steigen, warnte Rödel. Wahrscheinlich würden nach der für den Herbst geplanten neuen Insolvenzordnung noch mehr Verbraucher Zahlungsunfähigkeit anmelden, um die geplante Prozesskostenhilfe mitzunehmen. Dann könnte auch die Schadenssumme noch weiter steigen, sagte Rödel voraus.

Der Gründungssaldo, die Zahl der aus den Gewerberegistern gelöschten Firmen verglichen mit den Neugründungen, ist nach Rödels Worten für das erste Halbjahr in Ostdeutschland zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung negativ. In den neuen Bundesländern sei das Insolvenzrisiko drei Mal so hoch wie im Westen. Aber auch im Westen sei der Saldo aus An- und Abmeldungen leicht gefallen, war aber immer noch positiv. Die meisten Firmen würden in Nordrhein-Westfalen und Bayern gegründet, sagte Rödel.

Als "Lichtblick" wertete der Creditreform-Chef, dass inzwischen bei einer gestiegenen Zahl von Insolvenzen für die Schuldner noch etwas Geld übrig bleibe. Bei 65 von 100 Verfahren würden die Schuldner zumindest noch einen Teil ihrer Forderungen erhalten. "Damit haben wir das Niveau der 60er Jahre erreicht", sagte Rödel.

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