Studie des Weltwirtschaftsforums
Deutschland holt bei neuen Technologien auf

In deutschen Firmen wissen die Mitarbeiter besonders gut mit neuen Technologien umzugehen. Nachholbedarf gibt es aber noch bei der Schaffung besserer Rahmenbedingungen und der technischen Infrastruktur.

HB GENF. Deutschland belegt die weltweite Spitzenposition bei der geschäftlichen Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT). Das geht aus einem gestern in Genf veröffentlichten Bericht des Weltwirtschaftsforums hervor. Gleichzeitig platzieren die Experten auf dem weiter gefassten Fertigkeitsindex (NRI) die Bundesrepublik auf Platz 10. Im letzten durchgeführten Ranking belegte Deutschland noch den 17. Rang.

Die Autoren des Reports legen jedoch nahe, nicht unbedingt von einer deutschen Aufholjagd zu sprechen. Die Berechnungsmethoden hätten sich geändert. Den ersten Platz im NRI belegt Finnland. Finnland ist somit das Land, das die Informationstechnologie am besten nutzt. In den NRI fließen verschiedene Werte ein; über den Markt der Informationstechnologie, politische Rahmenbedingungen und die technische Infrastruktur.

Weiter wird die ICT-Fertigkeit der Bevölkerung insgesamt, der Wirtschaftsakteure sowie der Angestellten des Regierungsapparats in den Index eingespeist. Letztlich spielt die tatsächliche Nutzung auf der individuellen, geschäftlichen und der administrativen Ebene eine Rolle. Das Weltwirtschaftsforum WEF versteht den Index als einen Gradmesser, inwiefern ein Land an den neuen Technologien teilnimmt und daraus Nutzen zieht. Auf Finnland folgen die USA, Singapur, Schweden, Island, Kanada, Großbritannien, Dänemark und Taiwan.

Deutschland schneidet teils überraschend gut ab

Für den Index untersuchte das WEF insgesamt 82 Länder. Ziel der Autoren ist es, "den führenden Geschäftsleuten und den Verantwortlichen in der Politik einen Überblick über den Stand ihres Landes zu geben". In den verschiedenen Feldern, zumal im Bereich der Wirtschaftsakteure, schneidet Deutschland überraschend gut ab. In den insgesamt 14 Untertabellen über den Grad der ICT-Nutzung und der ICT-Fertigkeit der Wirtschaftsakteure belegt Deutschland insgesamt 5 mal den ersten Rang.

So ist die deutsche Business-Community etwa Spitze im Bereich der Innovation, der Intranetnutzung, beim Online-Marketing oder beim Abrufen von allgemeinen Informationen aus dem Internet. Im individuellen Bereich und im Sektor Regierung schafft es Deutschland zwar kein einziges Mal auf einen der ersten Plätze, aber immerhin kann sich das Land fast durchweg im oberen Drittel behaupten. So belegen die Deutschen in der Kategorie Online-Zahlungen den 19. Platz, beim Ranking über die nationale Anzahl der Internetuser den 28. Rang.

Online-Angebot des Regierungsapparats hinkt hinterher

Das Online-Angebot des deutschen Regierungsapparats wird von den Experten auf Platz 32 gesetzt. Nach den Recherchen des WEF ist hier sogar Tunesien besser. In Europa machen die Autoren ein uneinheitliches Bild aus. Als führende ICT-Nation gilt neben Finnland der Nachbar Schweden. Der WEF erklärt die gute skandinavische Performance mit dem frühen Einstieg der Nordeuropäer in den ICT-Gebrauch sowie "Umweltfaktoren". So sind die Finnen traditionell auf technologische Hilfe angewiesen, um in dem dünnbesiedelten Land die Distanzen zu überbrücken. Insgesamt hätten Großbritannien und Deutschland Boden gutgemacht, während Frankreich und Italien Probleme hätten, die "Prioritäten" in ihrer "E-Politik" zu finden. Osteuropa bliebe "enorm benachteiligt". Speziell die geringe Kaufkraft der Bürger, fehlende Finanzierungsmöglichkeiten sowie eine unterentwickelte Geschäftskultur mache den jungen Marktwirtschaften zu schaffen.

Die kräftigste ICT-Nation sei nach wie vor die USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt "ist führend bei der Entwicklung und der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie auf der Regierungsebene und in der Wirtschaft". Der Enthusiasmus der Amerikaner sei nur leicht eingetrübt worden - vor allem wegen der wirtschaftlichen Abkühlung und den Ängsten in puncto Sicherheit.

Die so genannte digitale Kluft ist am stärksten in Afrika ausgeprägt. Von 160 Bewohnern des schwarzen Kontinents benutzt nur einer das Internet, und von 130 Bewohnern hat nur einer Zugang zu einem Personal Computern. Zusätzlich leiden die Volkswirtschaften nach Beobachtung des WEF unter dem Brain Drain. Die wenigen gut ausgebildeten ICT-Experten suchen ihr Glück öfter in den hoch entwickelten Staaten des Nordens.

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