Studie dokumentiert Unregelmäßigkeiten
Floridas Wahldebakel symptomatisch für US-System

afp LOS ANGELES. Bei der US-Präsidentschaftswahl haben sich die Probleme vor allem im Bundesstaat Florida gehäuft. Wähler beschwerten sich über missverständliche Stimmzettel, Zählmaschinen konnten die Stimmen nicht richtig lesen. Diese Schwierigkeiten sind keine Ausnahme, sondern die Regel, wie die "Los Angeles Times" in einer am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Studie herausgefunden hat. Bei einer Untersuchung in zwölf über das ganze Land verstreuten Staaten fand das Blatt nach eigenen Worten "ein schwammiges System, dem nur zu trauen ist, wenn das Kandidatenrennen nicht zu knapp ist". "Weil Stimmen gekauft, gestohlen, falsch gezählt, verloren, weggeschmissen oder nach Dänemark geschickt werden können, weiß niemand genau, wieviele Stimmen bei amerikanischen Wahlen nicht gezählt werden", schrieb die Zeitung. Einige der krassesten Beispiele aus der Studie:

- In Alaska waren mehr Menschen in die Wählerlisten eingetragen, als es Bewohner im wahlberechtigten Alter gibt. - In Texas gibt es "Stimmhuren", die Leuten einen Gefallen tun, um deren Briefwahlunterlagen zu bekommen. In einigen Fällen kauften die Stimmensammler Unterlagen oder stahlen sie aus Briefkästen. - In Indiana, wo Wähler sich per e-mail und an der Führerscheinstelle registrieren lassen können, wimmeln die Wählerverzeichnisse von Toten, Schwerverbrechern und mehrfach Registrierten. - In Wisconsin gestanden Studenten dem Blatt, sie hätten ihre Stimme bis zu vier Mal abgegeben. - Große Probleme gibt es allgemein bei Briefwahlstimmen: Mehrere Tage, nachdem Steven und Barbara Forrest und ihr 29-jähriger Sohn aus dem Staat Washington ihre Wahlumschläge weggeschickt hatten, fand das dänische Ehepaar Brian und Helle Kain auf der Insel Fyn nahe Kopenhagen sie in seiner Post. Die Wahlzettel lagen zwischen nautischen Karten, die die Kains bestellt hatten. Die US-Botschaft in Kopenhagen beruhigte die beiden, die Stimmzettel kämen ohnehin zu spät, um noch gezählt zu werden. Ein dänischer Reporter informierte die Forrests über die Odyssee ihrer Stimmen, und letztlich wurden sie zurück nach Washington geschickt. Der Stimmzettel des Sohnes ist aber bis heute verschwunden.

Der hauchdünne Abstand zwischen dem demokratischen Vizepräsidenten Al Gore und dem Republikaner George W. Bush und das anschließende juristische Gezerre habe endlich die Aufmerksamkeit auf ein veraltetes und dringend reformbedürftiges Wahlsystem gelenkt, schrieb die "Los Angeles Times". "Natürlich zählt jede Stimme", sagte Robert Richie vom Zentrum für Wahlen und Demokratie dem Blatt, "aber andererseits wird nicht unbedingt jede Stimme gezählt. " Erschwert wird die Sache dadurch, dass jeder der 3141 Bezirke in den Vereinigten Staaten seine eigenen Regeln für die Stimmabgabe und-Zählung hat. Der Parlamentspräsident von Florida, Tom Feeney, kündigte unterdessen für die Zukunft Verbesserung beim Wahlablauf in seinem Bundesstaat an. Florida werde aus den Fehlern in diesem Jahr lernen.

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