Studie European Football
Der Deutschen liebstes Kind

Zehn Tage sind es noch bis zum Beginn des größten Ereignisses der Sportgeschichte, der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Korea.

Die Vorfreude der Fans ist groß, die Angst der Arbeitgeber vor spontanen Arbeitsniederlegungen während der Vormittags-Spiele auch. Denn in Deutschland sind Spiele der eigenen Nationalelf Volksgut, und zwar mehr als in den anderen europäischen Ländern. Das ist ein Ergebnis der fünften Studie "European Football" der Vermarktungsagentur Sportfive. Marktforscher haben im Dezember vergangenen Jahres Fußballinteressierte, die älter als 14 Jahre alt sind, in England, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland befragt.

Der Satz "die Nationalmannschaft ist der Deutschen liebstes Kind", egal wie bescheiden das sportliche Abschneiden ist, wurde wieder bestätigt. Selbst für normale - sprich bedeutungslose - Freundschaftsspiele von Rudi Völlers Team interessieren sich 83 Prozent der deutschen Fußballfans. Ein absoluter Rekordwert im europäischen Vergleich: In allen anderen Ländern war es nur maximal jeder Zweite. Selbst die Misserfolge bei den vergangenen großen Turnieren haben dem Stellenwert des DFB-Teams anscheinend nicht geschadet.

Fast einig sind sich die europäischen Fans beim Stellenwert der WM. Für neun von zehn Fußballinteressierten ist sie das wichtigste Ereignis in ihrer Sportart, sogar noch wichtiger als die nationalen Ligen. Einzige Ausnahme ist hier Spanien: Dort ist der Stellenwert der nationalen Meisterschaft höher. Kein Wunder: Schließlich gilt zum einen die "Primera Division" zusammen mit der englischen Premiere League als die stärkste der Welt, zum anderen hat die spanische Nationalelf bei internationalen Turnieren mit schöner Regelmäßigkeit die hohen Erwartungen in keiner Weise erfüllt. Genau umgekehrt verhält es sich in Frankreich: Schwache Liga, starkes Nationalteam. Folge: Dort ist die WM das mit weitem Abstand wichtigste Fußballereignis.

Sportliche Erfolge zahlen sich auch für die Vereine aus. Der Champions-League-Sieger Real Madrid ist mit 16 Millionen Fans der populärste Club in Europa. Es folgen Juventus Turin (14 Mill.), Bayern München (12 Mill.) und Manchester United (11 Mill.). Hier wächst Europa zusammen: Jeder Siebte bezeichnete sich als Anhänger eines ausländischen Vereins.

Auch Bayer 04 Leverkusen mag sich trösten. Trotz dreier knapp verpasster Titel in dieser Saison hat der Club viele Sympathien gewonnen, besonders bei den Kindern. Während viele ältere Fans den vermeintlichen Werksclub noch immer kritisch sehen, sind die 6-13-Jährigen da unvorbelastet. Denn bei ihnen belegte die Truppe um Teenie-Star Michael Ballack Platz drei der Beliebtheitsskala. Nur Bayern München und Borussia Dortmund haben in Deutschland in dieser Altersklasse - deutlich - mehr Anhänger. Da Kinder überproportional viele Fanartikel ihres Clubs besitzen, ist die Zielgruppe sowohl für die Gegenwart wie die Zukunft wichtig.

Auch für den deutschen Fußball insgesamt gibt es eine positive Zahl zu vermelden: Neun von zehn Kindern spielen regelmäßig Fußball. Mal schauen, wie sich ein, durchaus wahrscheinlicher, erneuter Misserfolg der Nationalmannschaft auf die nächste Befragung auswirkt.

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