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Studie: Familie wird Ostdeutschen seit Wende wichtiger

Hannover (dpa) - Familie und Partnerschaft sind den Menschen im Osten Deutschlands seit der Wende 1989 wichtiger als zu DDR- Zeiten. Das gehe aus einer empirischen Studie von Gitta Scheller an der Universität Hannover hervor, teilte eine Sprecherin der Universität am Dienstag mit.

Hannover (dpa) - Familie und Partnerschaft sind den Menschen im Osten Deutschlands seit der Wende 1989 wichtiger als zu DDR- Zeiten. Das gehe aus einer empirischen Studie von Gitta Scheller an der Universität Hannover hervor, teilte eine Sprecherin der Universität am Dienstag mit.

Scheller untersuchte, wie Menschen in der ehemaligen DDR den Wandel der gesellschaftlichen Struktur verarbeitet und DDR-typische Wege in der Lebensführung verlassen haben.

In vielen Bereichen konnte Scheller den Angaben zufolge Individualisierungsprozesse in den neuen Bundesländern erkennen. Deutlich gestiegen sei die Zahl nichtkonventioneller Lebensformen. Es gebe mehr nichteheliche Lebensgemeinschaften und mehr ledige Alleinlebende. Die Verantwortung für die Erziehung wurde der Studie zufolge wieder stärker in die Familie verlagert. Kinder müssten sich auch weniger an den Tagesablauf der Vollzeit erwerbstätigen Eltern anpassen und würden weniger nur zu Folgsamkeit und Gehorsam erzogen. Eltern unterstützten mehr die Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ihrer Kinder.

Ostdeutsche Frauen wollten aber nicht restlos in der Familie aufgehen. Sie grenzten sich deutlicher als westdeutsche Frauen von der traditionellen Mutterrolle ab, vertrauten ihr Kind eher familienfremden Menschen an und seien häufiger berufstätig.

Die in der DDR verordneten Kontakte zu Kollegen des jeweiligen Arbeitskollektivs haben nach Schellers Studie an Bedeutung verloren. Stattdessen nehmen Kontakte zu selbst gewählten Freizeitpartnern zu. Der relativ enge Zusammenhang in der Nachbarschaft weicht lockeren und flüchtigeren Kontakten.

Mehrere Entwicklungen schränkten allerdings das Abweichen von traditionellen Pfaden der Lebensführung in den ostdeutschen Bundesländern ein, stellt Scheller fest. So müssten viele ostdeutsche Frauen beispielsweise aus Mangel an Vollzeitstellen Teilzeit arbeiten oder zu Hause bleiben. Sie übernähmen mehr hauswirtschaftliche Tätigkeiten als zuvor. «Dieser Trend in Richtung Traditionalisierung der Geschlechtsrollen, der in Ostdeutschland vor allem die Hausfrauenrolle betrifft, ist in den alten Bundesländern so nicht feststellbar.»

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