Studie
Fünf Millionen Schwarzarbeiter in Deutschland

Nach einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 336 Milliarden am Finanzamt vorbei erwirtschaftet.

dpa BERLIN. Die Schwarzarbeit ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Nach einer Studie im Auftrag von Bauverbänden und IG BAU wurden im vergangenen Jahr rund 336,4 Milliarden Euro an den Finanzämtern vorbei erwirtschaftet, acht Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Dies entsprach 16 Prozent des offiziellen deutschen Bruttoinlandsprodukts. Studienleiter Friedrich Schneider von der österreichischen Universität Linz bezifferte die Zahl der Beschäftigten in der Schattenwirtschaft am Dienstag in Berlin auf "weit über fünf Millionen".

Im internationalen Vergleich befindet sich die Bundesrepublik mit der Schwarzarbeiter-Quote im Mittelfeld. Bei einem Vergleich von 21 Mitgliedsländern der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) rangiert Deutschland auf dem zehnten Platz, hinter Ländern wie Italien, Spanien und Belgien. Allerdings sei Deutschland "eines der wenigen Länder, wo die Schattenwirtschaft noch wächst", sagte Schneider. Der Linzer Professor - einer der bekanntesten europäischen Schwarzarbeitsforscher - begründete dies mit hoher Abgabenbelastung und einem Übermaß an Regulierungen.

Besonders hoch ist der Schwarzarbeiter-Anteil im deutschen Baugewerbe. Allein in dieser Sparte wurden nach Schneiders Schätzungen im vergangenen Jahr knapp 54 Milliarden Euro an den deutschen Finanzämtern vorbei geschleust. Das entsprach fast 60 Prozent der offiziellen Wertschöpfung im Baugewerbe, in der Hauptstadt Berlin sogar 65 Prozent. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes, die gemeinsam von Arbeitgeberverbänden und der IG BAU getragen wird.

Schneider führte das "Massenphänomen" Schwarzarbeit auf hohe Steuern und sinkendes Unrechtsbewusstsein zurück. "Schwarzarbeit ist die Steuerrevolution des kleinen Mannes", sagte der Wirtschaftsprofessor. Ganze Branchen seien mittlerweile in die Schattenwirtschaft verlagert worden. Beispielsweise würden in kaum einem deutschen Haushalt Putzfrauen legal beschäftigt. Zugleich betonte er, dass allein durch härtere Strafen die Schwarzarbeit nicht gesenkt werden könne.

Nach offiziellen Angaben der Bundesregierung gingen im Jahr 2000 durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung mindestens 10 000 Arbeitsplätze verloren. In der Sozialversicherung führte dies zu Beitragsausfällen von schätzungsweise 113 Millionen Euro, bei der Lohnsteuer zu Ausfällen von fast 46,5 Millionen Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%