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Studie: Gesundheitskosten nicht an Arbeitslosigkeit schuld

Klagen der Wirtschaft über zu hohe Belastungen für Gesundheitsausgaben sind nach einer Studie unbegründet. Deutschland liege im Vergleich der vom Arbeitgeber zu tragenden Gesundheitskosten international im Mittelfeld, lautet das Fazit der von der Techniker Krankenkasse vorgelegten Untersuchung.

dpa BERLIN. Klagen der Wirtschaft über zu hohe Belastungen für Gesundheitsausgaben sind nach einer Studie unbegründet. Deutschland liege im Vergleich der vom Arbeitgeber zu tragenden Gesundheitskosten international im Mittelfeld, lautet das Fazit der von der Techniker Krankenkasse vorgelegten Untersuchung.

Ein Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Gesundheitskosten der Arbeitgeber sei nicht erkennbar. "Wir haben ein Lohnkostenproblem, kein Lohnnebenkostenproblem", sagte TK-Chef Norbert Klusen. Er kündigte an, der TK-Beitragssatz von 13,7 Prozent werde zum Jahreswechsel nicht gesenkt.

Zur Untermauerung der Ergebnisse wird in der Studie die Wirkung der aktuellen Gesundheitsreform auf die Preise einzelner Produkte und Dienstleistungen untersucht: Sollten die Kassenausgaben in der Endstufe der Reform wie geplant um acht Mrd. Euro jährlich sinken, führe das über niedrigere Kassenbeiträge zur Reduktion der Produktionskosten um 0,22 Prozent. Ein 20 000 Euro teures Auto werde dadurch um knapp 30 Euro billiger, ein Anzug für 400 Euro um 69 Cent.

Laut Studie machte die gesundheitsbedingte Arbeitgeberbelastung zum Zeitpunkt der Untersuchung (2000) 3,2 Prozent vom Produktionswert aller in Deutschland hergestellten Güter und Dienstleistungen aus. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung hatten daran einen Anteil von 1,2 Prozent, die Lohnfortzahlung von 0,8 Prozent. Die durchschnittliche Arbeitgeberbelastung pro Beschäftigtem wurde mit 3 012 Euro jährlich ermittelt.

Die gesundheitsbedingten Kostenbelastungen seien im internationalen Wettbewerb mittelmäßig. Die Studie zeigt nach Einschätzung Klusens, dass vor allem die Belastung der Arbeitgeber durch die Beiträge zur Krankenversicherung weitaus geringer ist als angenommen. Beitragssenkungen seien keineswegs ein Patentrezept für mehr Beschäftigung. Weitere Einschnitte bei den Kassenleistungen müssten deshalb genau geprüft werden, meinte Klusen.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wies die Schlussfolgerungen aus der Studie zurück und kritisierte die Berechnungsmethode. Es dränge sich der Verdacht auf, dass durch die Wahl der Bezugsgröße "Produktionswert" die Arbeitgeberbelastung bei den Gesundheitskosten "verniedlicht werden soll", hieß es in einer BDA-Stellungnahme. Diese Berechnungsbasis sei als Maßstab ungeeignet, da auch Vorleistungen, Abschreibungen, Subventionen und indirekte Steuern darin enthalten seien. Üblich sei, das Bruttoinlandsprodukt oder das Volkseinkommen für solche Berechnungen zu Grunde zu legen.

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