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Studie: Hauptversammlungen im Internet

Die Hauptversammlungssaison 2003 ist (fast) zu Ende. Mehr und mehr rückt die Frage in den ...

Die Hauptversammlungssaison 2003 ist (fast) zu Ende. Mehr und mehr rückt die Frage in den Vordergrund, ob es nicht besser wäre, die Präsenz-Hauptversammlung grundsätzlich durch eine rein virtuelle Hauptversammlung (HV) zu ersetzen. Im Rahmen einer - im deutschsprachigen Raum - erstmaligen empirischen Untersuchung hat die Stuttgarter Unternehmensberatung Dr. Šonje webconsult untersucht, wie konsequent deutsche Spitzenunternehmen das Internet im Rahmen einer HV nutzen und wie weit sie den Weg hin zu einer Cyber-HV bereits beschritten haben. Grundlage der Studie ist ein standardisierter Test, bei dem die Online-Angebote der DAX-Unternehmen zur HV 2003 anhand von ca. 50 formalen und inhaltlichen Kriterien analysiert wurden. Alle Angebote wurden zu drei Zeitpunkten untersucht: zwei Wochen vor der Hauptversammlung, am Tag der HV und nochmals zwei Wochen danach. Die einzelnen Merkmale wurden zu vier Indizes zusammengefasst.
Der Index Basisinformationen beinhaltet grundlegende Informationen rund um das Unternehmen und die Aktie. Im Index Zusatzdienste sind Informationen und Serviceleistungen zusammengefasst, die sich vor allem an Aktionäre richten, die nicht persönlich an der HV teilnehmen können oder wollen, gleichzeitig aber an einer Teilhabe interessiert sind. Im Gegensatz dazu beschreibt der Index Service vorrangig Angebote, die sich an Aktionäre wenden, die entschlossen sind, an der HV auch tatsächlich persönlich teilzunehmen. Im Index Navigationshilfe finden sich schließlich diejenigen Merkmale, die sich auf die unmittelbare Unterstützung der Navigation und damit der Nutzung des jeweiligen Online-Angebots beziehen.
Betrachtet man die Ergebnisse im Überblick, so ergibt sich das folgende Bild. Etwa die Hälfte der untersuchten Unternehmen bietet "ihren" Aktionären zur HV ein insgesamt umfassendes und qualitativ anspruchsvolles Online-Angebot an. Hierzu zählen die Angebote der Deutschen Post, Deutschen Bank, Allianz oder der Münchener Rück. Diese Unternehmen erfüllen sowohl im Hinblick auf Basisinformationen als auch auf Zusatzdienste bzw. Service und Navigationshilfe viele der gestellten Anforderungen. Auffällig ist dabei, dass diese Unternehmen ihren Aktionären nicht nur ein umfassendes Informations- und Servicepaket anbieten, sondern sich auch um eine mediengerechte Umsetzung bemühen.
Im deutlichen Gegensatz dazu stehen Unternehmensangebote, bei denen nicht nur der Informations- bzw. Serviceumfang, sondern auch die mediengerechte Umsetzung deutlich unterhalb der Standards liegen, die durch die meisten anderen DAX-Unternehmen gesetzt wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Teil der Unternehmen ihr "Online"-Angebot in erster Linie als einen reinen "Dokumentenverwaltungsservice" missverstehen. Die Aktionäre werden im schlimmsten Fall mit einer Flut an Ausdrucken eindeckt. Bei etwa der Hälfte der untersuchten Internet-Angebote handele es sich daher faktisch eher um Offline-, als um Online-Angebote. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass der Weg zu einer virtuellen HV noch sehr weit ist. Selbst Unternehmen, die bereits heute innovative Dienste, wie etwa Internet-Proxy-Voting anbieten, nutzen Internet-Techniken, die in anderen Branchen bereits zum Standard der Internet-Kommunikation gehören, nur ansatzweise. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass sich die Vision einer virtuellen HV in absehbarer Zeit durchsetzen wird. Entscheidend wird dabei auch sein, ob neben organisatorischen und technischen Aspekten, wie die technische Stabilität der Soft- und Hardware und deren Nutzungstauglichkeit, auch aktionärsrechtliche und kommunikationswissenschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 05.11.2003

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