Studie: Komplexere Rechnungslegung in Europa und schlechtere Investor Relations
Studie: Deutsche Analysten liegen bei Blue Chips öfters daneben

Die britischen Gewinnschätzungen sind besser als auf dem Kontinent, sagt eine neue Studie.

fs FRANKFURT/M. Analysten auf dem europäischen Kontinent liegen mit ihren Gewinnschätzungen häufiger daneben als ihre britischen Kollegen. Diese Ergebnis eines Magazins namens AQ Publications Ltd. lässt gleichwohl nicht den Schluss zu, dass die Analysten auf dem Festland per se schlechter schätzen. Graham Field, der Firmengründer von AQ Publications - die Abkürzung steht für Accuracy Quotient - führt die Unterschiede eher auf die komplexere Rechnungslegung in Europa und schlechtere Investor Relations der dortigen, börsennotierten Firmen zurück.

AQ Publications untersucht als einzige Kennziffer die von Analysten geschätzten Gewinne je Aktie (Earnings per share, EPS). Sie betrachtet insgesamt 88 europäische Blue Chips. Über mehrere Jahre vergleicht sie Prognose und tatsächliches Ergebnis und kommt so zum "Genauigkeitsquotienten".

Der AQ-Durchschnitt der untersuchten britischen Firmen liegt bei rund 43Punkten. In Europa kommt er bei den Gesellschaften lediglich auf gut 33 Zähler. Von den deutschen Firmen bekommt besonders Volkswagen schlechte Noten. Der Automobilkonzern nutze die von der DVFA ermöglichten Bereinigungen, um seine Bilanzen anzupassen. Das habe die Analysten in den vergangenen Jahren immer wieder überrascht. Volkswagen kommt auf einen Durchschnitt von 1,73 Punkten. Hinter dem Vorwurf an VW steckt auch eine Kritik an der DVFA. Deren Bereinigungsmöglichkeiten verleiten an internationale Standards gewöhnte Analysten dazu, verwundert "die Augenbrauen zu heben", wie Field schreibt. Es sei keine Überraschung, dass sich unter den zehn Firmen mit dem niedrigsten AQ vier deutsche befänden.

Auch die Methode von Graham Field ist freilich nicht frei von Kritik. Die Schätzungen des ehemaligen BBC-Journalisten und Redakteurs des Magazins "Euromoney" basieren eben nur auf einer Kennzahl. Einer der zwölf BMW-Analysten, die null Punkte für ihre Prognosen bekamen, nennt in dem Zusammenhang die EPS-Schätzung einen Glücksfaktor: "Wie wollen Sie den Niedergang der Rover-Gruppe schätzen?" Die Betrachtung einer einzigen Kennziffer "greift viel zu kurz". Field schreibt zwar in seinen Reports auch (im Internet: www.aqpublications.com), wenn besondere Ereignisse Schätzungen erschweren. Er räumt aber ein, dass die Daten nur ein Kriterium bildeten.

Die Idee geht auf befreundete Fondsmanager zurück, die sich einen objektiven Maßstab wünschten, um das tägliche Research-Material nach Wichtigkeit einzusortieren. Einen kleineren Anteil an AQ Publications Ltd. halten zwei Fondsmanager. Welchen Häusern sie angehören, wollte Field auch auf mehrmaliges Nachfragen nicht sagen. Die Gesellschaft mit fünf Mitarbeitern finanziert sich durch Abonnements, deren Zahl Fields jedoch ebenfalls schuldig blieb.

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