Studie kritisiert mangelnden Wissenstransfer
Hochschulen sollen Geschäftssinn entwickeln

Der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft ist in Deutschland eher schleppend. So stammen nur vier Prozent der Patente aus Universitäten. Mit einer Bundesratsinitiative will der niedersächsische Minister Oppermann dies ändern - und Bundesforschungsministerin Bulmahn unter die Arme greifen.

bia DÜSSELDORF. Ein Gesetzesantrag zur Abschaffung des so genannten Hochschullehrer-Privilegs wird heute im Bundesrat abschließend beraten. "Ich gehe davon aus, dass er den Bundesrat passieren wird", sagte Niedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD), der den Antrag initiiert hatte, gegenüber dem Handelsblatt.

Bislang gilt für Hochschullehrer - anders als für andere Arbeitnehmer - das Privileg, dass sie alleine ihre Erfindungen verwerten dürfen - und den Erlös später kassieren. Statt ihre Erkenntnisse in Patente umzusetzen, entscheiden sich aber viele Professoren für Publikationen in Fachzeitschriften. Diese sind billiger - eine Patentverwertung kostet einige Mill. DM - und bringt den Wissenschaftlern mitunter mehr Beachtung in der Fachwelt. Die Folge: Nach groben Schätzungen stammen in Deutschland nur vier Prozent der Patente aus Hochschulen. Allein die Siemens AG melde jährlich 3,5-mal so viele Patente an wie die 26 700 deutschen Universitätsprofessoren zusammen, sagte Oppermann. In dem Gesetzesantrag heißt es, die Hochschulen sollten künftig Anspruch auf die Verwertung der Erfindungen haben. Der einzelne Wissenschaftler trage keinerlei wirtschaftliches Risiko und erhalte bei einer erfolgreichen Verwertung nur noch ein Drittel des Nettoerlöses. Die restlichen zwei Drittel solle die Hochschule selbst aufteilen.

Reform des Hochschullehrer-Privilegs

Sowohl die Wissenschaftsminister auf Länderebene als auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sind sich darüber einig, dass das Hochschullehrer-Privileg reformiert werden soll. "Ich helfe mit dem Gesetzesantrag sozusagen der Ministerin", bemerkte Oppermann. Bulmahn hatte im vergangenen Oktober einen Entwurf zur Neufassung des entsprechenden § 42 des Arbeitnehmererfindergesetzes vorgelegt. Am kommenden Mittwoch will sie zunächst das neue Programm "Wissen schafft Märkte" vorstellen, mit dem unter anderem die Patentinfrastruktur an den Hochschulen verbessert werden soll.

Der mangelnde Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft wird auch in einer Studie des Ifo-Instituts, des Fraunhofer-Instituts Systemtechnik und Innovationsforschung und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung kritisiert. Deshalb schlagen die Autoren unter anderem eine Stärkung der Patentberatung und-verwertung von Transfer-Einrichtungen vor. Derzeit gibt es deutlich mehr als 1 000 Transferstellen in Deutschland, deren Aufgabe es ist, die Erkenntnisse der öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen wirtschaftlich zu verwerten. Die Arbeit dieser Transferinstitute wird in der Studie aber deutlich gerügt: Die Vielfalt der Einrichtungen und ihre unterschiedlichen Funktionen führten dazu, dass weder Wissenschaft noch Wirtschaft über das Angebot Bescheid wissen. Außerdem haben die Autoren starke Zweifel an der Kompetenz vieler Transferstellen.

Trennung von Forschungs- und Verwertungsaktivität

Die Garching Innovation GmbH, eine Tochter der Max-Planck-Gesellschaft, wird oftmals als Musterbeispiel einer Transfer-Einrichtung bezeichnet. Doch die Autoren der Studie kritisieren, dass durch die Trennung von Forschungs- und Verwertungsaktivität kein "Verwertungsbewusstsein" vor Ort mehr vorhanden sei. Sie regen sogar an, der Kontakt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft müsse im Idealfall direkt, also ohne Transferstelle, sein.

Der Wissenstransfer muss nach Ansicht der Autoren aber nicht nur auf Seiten der Wissenschaft verstärkt werden, auch die Wirtschaft stehe in der Pflicht: Obwohl insgesamt die Bereitschaft zu Kooperationen mit öffentlichen Forschungseinrichtungen zugenommen habe, mangele es bei kleinen und mittleren Unternehmen an Dynamik. Deshalb müsse dort dringend "Innovationskompetenz" aufgebaut werden, heißt es in der Studie.

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