Studie: Mehr Neugründungen als Pleiten
Telekom-Markt wächst robust

Mobilfunk und Internet sind nach wie vor die Wachstumsbeschleuniger in der Telekommunikation. Trotz der Finanzmarktkrise wachsen die Umsätze in Europa mit neun Prozent jährlich.

dri HB BERLIN. Kursverluste, Gewinnwarnungen, erneute Kursverluste - seit Monaten dreht sich die Abwärtsspirale in der Telekommunikation. Die Kunden beurteilen die Telefon-, Internet- und Mobilfunk-Dienstleistungen jedoch anders als die Finanzmarktprofis: Sie wollen immer mehr davon haben - abzulesen an stetig steigenden Umsätzen.

An diesem Wachstumtrend der vergangenen drei Jahre wird sich auch 2001 nichts ändern. Die jüngste Untersuchung des Telekommunikationsexperten Prof. Torsten Gerpott von der Universität Duisburg erwartet in diesem Jahr für die Branche europaweit ein Umsatzwachstum von 9,6 %; in Deutschland, dem größten Markt, 8,9 %. Wachstumsraten von mindestens 8 % haben jüngst auch die Europa-Statistiker der Eito und der Branchenverband Bitkom für die Informations- und Telekomindustrie prognostiziert. Bitkom erfuhr bei einer Umfrage unter Mitgliedsfirmen, dass 44 % in diesem Jahr neu einstellen wollen.

Mobilfunk und Breitband-Internetzugänge sind die Motoren der Telekommunikation

Mobilfunk und schnelle breitbandige Internetzugänge bleiben für Gerpott in den nächsten Jahren die Wachstumstreiber in der Telekommunkation - trotz skeptischer Analysten. Über die Aussichten der Branche diskutieren von Dienstag an Fachleute auf einer Handelsblatt-Tagung in Bonn. Noch immer werden in Deutschland mehr Telekom-Unternehmen gegründet als Pleite gehen. 383 Unternehmen verfügten im Februar über entsprechende Lizenzen der Telekom-Regulierungsbehörde, 100 mehr als ein Jahr zuvor. Die Mehrheit der Anbieter setzt dabei inzwischen auf den Bau eigener Zugangsnetze zum Kunden. Völlig egal ist aber auch Gerpott die "Anti-Telco-Stimmung am Kapitalmarkt" nicht: Die Finanzierung neuer Projekte, auch mit guten Gewinnaussichten, werde immer schwieriger.

Skandinavische Telekomunternehmen im Gründungsfieber

Das Gründungsfieber ist in Deutschland allerdings nicht so hoch wie in zahlreichen EU-Nachbarländern. Bezogen auf die Einwohnerzahl gibt es in Finnland zehnmal so viele Telekomunternehmen wie in Deutschland. Auch die anderen skandinavischen Länder sowie Großbritannien und Österreich kommen in Relation auf mehr Branchenunternehmen als Deutschland.

Gerpott sieht die Ursache dafür in "nur mäßig wettbewerbsförderlichen Rahmenbedinungen". Als Beispiel nennt er die Gebühren für die "letzte Meile" Kupferdraht, die Wettbewerber hier zu Lande an die Telekom zahlen: Sie liegen laut Gerpott höher als der Telekom-Preis für einen Telefonanschluss. In den Ländern mit einer größeren Zahl von Telekom-Unternehmen kostet der Anschluss für Wettbewerber weniger als für Endkunden.

Deutschland nur im Mittelfeld

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Deutschland trotz des Handy- und Internetbooms des vergangenen Jahres im unteren Mittelfeld bei der Nutzung dieser Technologien geblieben. Führend sind Skandinavier, Niederländer, Schweizer und Briten, bei denen sowohl Handy als auch Internet-PC von der Mehrheit der Bevölkerung genutzt werden. Deutlich weniger Interesse am Internet und deutlich mehr am Mobilfunk als die Deutschen zeigen Italiener, Spanier und Portugiesen. Weit abgeschlagen bei der Mobilfunknutzung sind die USA.

Noch schwer abzusehen sind nach der Gerpott-Studie die Perspektiven für neue UMTS-Mobilfunkdienste. Er erwartet bei UMTS höhere Umsätze mit Kommunikationsdiensten wie E-Mail. Informationsdienste, die ein Netzbetreiber zusammen mit Inhalte-Anbietern vermarktet, hätten weniger gute Chancen. Kräftige Umsätze sieht er für 2005 auch mit interaktiven Spielen. Wie groß der UMTS-Markt in zwei Jahren sein wird, mag Gerpott nicht vorhersagen. Er verweist darauf, wie weit die Prognosen heute auseinander liegen: Eine Durlacher-Studie für mobile E-Commerce-Dienste rechnet 2003 in Europa mit Umsätzen von 48 Mrd. DM. Die Konkurrenz Jupiter ist viel vorsichtiger: Sie erwartet nur 3,8 Mrd. DM.

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