Studie
Mobile Manager liegen im Trend

Immer mehr Unternehmen rekrutieren Führungskräfte außerhalb ihrer Firma, belegt eine exklusive Studie der Personalberatung TMP Worldwide.

Manager müssen in Zukunft öfter ihre Koffer packen. Dabei werden sie immer häufiger nicht nur zwischen Städten und Ländern sondern auch zwischen einzelnen Branchen wechseln. Zu diesem Schluss kommt eine unabhängige Studie über die Fluktuation von Führungskräften, die das Forschungsinstitut Euromonitor im Auftrag des Personaldienstleisters TMP Worldwide durchgeführt hat.

"Bisher sehen wir den Trend nur als kleines Pflänzchen. Aber schon mit der Generation der 40- und 45-Jährigen wird sich vieles ändern. In Kürze wird sich die Zahl der extern rekrutierten Führungskräfte verdoppeln", ist Beraterin Jacqueline Bauernfeind von TMP überzeugt.

Wer viele Mitarbeiter von außen holt, gilt als offen und modern, setzt auf neue Trends. Wer seine Führungskräfte nur intern heranzüchtet, schmort dagegen im eigenen Saft, so die These der Studie. Aber das Anwerben von außen ist natürlich nicht ohne Risiko: "Externe müssen die Branche noch kennen lernen, haben in der neuen Firma noch kein Netzwerk und werden meist sehr kritisch beäugt", weiß Bauernfeind. "Wer nicht bereits ein sehr gutes Standing im Markt hat, wird das Risiko wohl kaum eingehen."

Über die Hälfte der 60 von Euromonitor befragten Konzerne haben in den letzten drei Jahren weltweite Fusionen, Akquisitionen oder strategische Neuordnungen durchgesetzt. Um in Zukunft global erfolgreich zu sein brauchen Unternehmen immer häufiger Fachkräfte mit speziellen Landeskenntnissen - und die sind knapp, müssen also häufig aus anderen Unternehmen abgeworben werden.

Insgesamt macht die externe Rekrutierung nur rund ein Viertel am Gesamtanteil der Personalgewinnung aus. Aber "der Anteil externer Rekrutierungen ist in den Jahren 1999 bis 2001 insgesamt um 133 Prozent gestiegen", so Bauernfeind. Und auch der Anteil der von außerhalb eines Unternehmens ernannten Vorstandsmitglieder hat sich im Zeitraum von drei Jahren verdoppelt.

Am fortschrittlichsten sind dabei die Finanzdienstleister. Mit 38 Prozent extern rekrutierter Vorstandsmitglieder lassen sie alle anderen Industriezweige hinter sich. In der Konsumgüterindustrie kommen gerade mal 15 Prozent des Vorstands aus anderen Unternehmen.

"Je neuer die Industrie, desto moderner und offener ist auch die Führung", sagt Bauernfeind. Auch national und traditionell orientierte Unternehmen setzen eher auf Führungskräfte aus den eigenen Reihen.

Im Finanzsektor dominieren zwar immer noch Manager, die den größten Teil ihres Berufslebens in Banken zugebracht haben, doch bei den externen Neubesetzungen sind auch Fachleute aus anderen Branchen gefragt. So zum Beispiel Hermann-Josef Lamberti, der von IBM in den Vorstand der Deutschen Bank wechselte.

Besonders offen für den neuen Trend ist der Markt für Technologie, Medien und Telekommunikation. "Dort waren die Zuwachsraten bei der externen Personalrekrutierung in den vergangenen Jahren besonders hoch", sagt Bauernfeind. Ein Grund: die vielen Akquisitionen und Umstrukturierungen, sowie grenzüberschreitende Projekte, die zu einem erhöhten Bedarf an internationaler Erfahrung führen.

Die Konsumgüterindustrie dagegen setzt eher auf interne Rekrutierung, da gerade dort spezifische Branchenkenntnisse besonders wichtig sind. "Externe Topleute werden nur gesucht, wenn es um neue Produkte geht oder den Eintritt in ein neues Land", weiß die TMP-Beraterin. Zwar finden sich in der Konsumgüterindustrie mit 22 Prozent nur relativ wenige Vorstandskräfte mit einschlägiger internationaler Erfahrung. Doch selbst in dieser Branche ist eine Trendwende zu erkennen: "Unilever hat früher immer nur aus den eigenen Reihen rekrutiert. Jetzt holt das Unternehmen mehr Leute von außerhalb. Besonders in Marketing und Vertrieb."

Auch der Gesundheitssektor stellt traditionell wenig Führungskräfte aus anderen Branchen ein. Doch auch hier manifestiert sich der Trend, nehmen die Zahlen der extern Rekrutierten zu. Die landen meist in den nicht branchenspezifischen Bereichen wie Finanzen oder IT: "Für medizinische Produkte brauche ich schon ein sehr spezielles Fachwissen", erklärt Bauernfeind.

Eine Umfrage von PriceWaterhouseCoopers zur Mobilität von Arbeitnehmern in Europa kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die TMP-Studie: Über 70 Prozent der von PwC befragten Unternehmen rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einem steigenden Bedarf an flexiblen, mobilen Arbeitnehmern. Gleichzeitig werden aber Führungskräfte und erfahrene Mitarbeiter mit der Bereitschaft zum Kofferpacken immer rarer. Fast die Hälfte der Unternehmen hat schon heute Schwierigkeiten, erfahrene mobile Führungskräfte zu finden.

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