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Studie: Naturschutz spart Milliarden ein

Naturschutz zahlt sich in barer Münze aus - und zwar in Milliardenhöhe. Darauf verweist ein internationales Team von Umweltforschern und Wirtschaftswissenschaftlern im US-Fachjournal "Science".

dpa/ HB WASHINGTON. Es errechnete den ökonomischen Wert von Naturschutzgebieten nach einem Schlüssel, der auch Faktoren wie Klima, Wasser, Boden- und Artenerhalt mit einbezieht. Dieser Rechnung nach liegt der wirtschaftliche Vorteil unberührter Ökosysteme im Vergleich zur kurzfristigen Nutzung etwa durch landwirtschaftlichen Anbau oder Holzfällerei im Verhältnis 100 zu 1.

Dass Ökosysteme weltweit dennoch in fast unverminderter Rate zerstört werden, liegt nach Meinung der Experten vor allem an drei Faktoren: dem Streben Einzelner nach schnellem Gewinn, der Unkenntnis über den wahren wirtschaftlichen Wert von Naturschutzräumen und, in einigen Ländern, steuerlichen Anreizen für die Verwandlung von Natur in "Nutzflächen".

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein globales Netzwerk von Naturschutzgebieten der Weltbevölkerung jährlich 4400 Milliarden Dollar (4540 Milliarden Euro) mehr an "Waren und Diensten" liefern könnte als das gleiche Land in bebauter, auf Menschen zugeschnittener Form. Das heißt, dass die Zerstörung natürlicher Lebensräume "ein schlechtes Geschäft" ist - ganz unabhängig von den sozialen, kulturellen und moralischen Nachteilen, schreiben Andrew Balmford von der Universität Cambridge (Großbritannien) und Kollegen in "Science".

An fünf Fallstudien zeigen die Forscher, dass tropische Wälder, Sümpfe oder Korallenriffe durchschnittlich die Hälfte ihres Wertes einbüßen, wenn sie kommerziell ausgeschlachtet werden. Als Beispiele dienen ihnen ein von der Holzindustrie genutzter tropischer Urwald in Malaysia sowie ein Urwald in Kamerun, der Plantagen weichen musste. Weiterhin gehen sie auf eine Mangrovenlandschaft in Thailand ein, die jetzt Krabbenfischer ernährt, sowie ein für die Landwirtschaft ausgetrocknetes Sumpfgebiet in Kanada und ein für den Fischfang gesprengtes Korallensystem in den Philippinen.

In jedem dieser Fälle wäre der Erhalt der Ökosysteme weitaus mehr Wert gewesen als ihr jetziger - oft kurzfristiger - kommerzieller Gewinn. So hätten sie als Schutz vor Stürmen und Fluten dienen können sowie als Auffangbecken für Kohlenstoff gegen den Klimawandel. Viel Geld hätten sie auch eingebracht bei nachhaltiger, also Natur erhaltender, Nutzung und als Urlaubsziel für Touristen, schreiben die Autoren.

Genügend Beispiele wie die Insel Merritt an Floridas Cape Canaveral zeigen, dass Naturschutzgebiete langfristig Gewinne abwerfen können. Die Umgebung von Merritt Island sei wegen der ungewöhnlich großen Fische bei Sportanglern sehr beliebt. In den Gewässern rund um ein geschütztes Korallengebiet vor der Karibikinsel St. Lucia, das als Soufriere Marine Management Area bekannt ist, stieg der Ertrag des Fischfanges nach Einrichtung des Schutzgebietes deutlich an.

Gleichzeitig ergab eine neue Auswertung von Satellitenaufnahmen, dass zwischen 1990 und 1997 jährlich 5,8 Millionen Hektar tropischen Urwalds zerstört wurde - ein Gebiet, das etwa doppelt so groß ist wie Belgien. Das sei zwar 23 Prozent weniger als bisher angenommen worden war, aber nichtsdestotrotz ein enormer Verlust.

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