Studie
Privathaushalte im Süden immer häufiger verschuldet

Reuters HAMBURG. Die Zahlungsmoral der privaten Haushalte hat sich einer Studie zufolge in den südlichen Bundesländern verschlechtert, während sie sich insgesamt in Deutschland kaum verändert hat. In Süddeutschland registrierte die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel im vergangenen Jahr die höchste Zunahme an Zwangsmaßnahmen wie Eidesstattlichen Versicherungen und Haftandrohungen gegen Schuldner. So hätten in Baden-Württemberg 119.894 Privatpersonen und damit 15,8 Prozent mehr als 1999 wegen säumiger Zahlungen "vor den Kadi" gemusst, teilte Bürgel am Mittwoch mit. In Thüringen sei die Zahl der Zwangsmaßnahmen um 9,6 Prozent auf 33828 Fälle und in Bayern um 2,1 Prozent auf 139577 gestiegen.

Die stärksten Rückgänge seien dagegen im strukturschwachen Saarland, in Sachsen-Anhalt und in Bremen verzeichnet worden, teilte Bürgel mit. Auch bei den Eidesstattlichen Versicherungen lägen die Süddeutschen an der Spitze. Während in Gesamtdeutschland die Zahl dieser gerichtlichen Maßnahme zur Schuldeneintreibung um ein Prozent zurückgegangen sei, hätten in Baden-Württemberg 79955 Schuldner und damit 20,7 Prozent mehr als im Vorjahr die Hand zum Offenbarungseid heben müssen. In Thüringen sei ein Anstieg um zwölf Prozent auf 21.295 Fälle verzeichnet worden, in Bayern sei die Zahl um 4,1 Prozent auf 86039 gestiegen. Die Zahl der Haftandrohungen sei in Gesamtdeutschland um 9,6 Prozent auf 353500 Fälle gesunken.

Insgesamt seien Gläubiger in Deutschland im vergangenen Jahr in rund 1,13 Millionen Fällen gegen säumige Schuldner vorgegangen. In den neuen Bundesländern sei die Zahl nur um 0,9 Prozent auf 188.129 Fälle zurückgegangen, in den alten Ländern verzeichnete Bürgel einen leichten Rückgang um 4,6 Prozent auf 946702 Fälle.

Keine Trendwende bei der Zahlungsmoral

Eine Trendwende bei der Zahlungsmoral sei damit aber keineswegs eingeläutet, betonte Bürgel-Geschäftsführer Tilmann Bettendorf. Auch spiele der seit Kurzem mögliche Verbraucherkonkurs nur eine geringe Rolle bei der Entwicklung. Nur wenige Zwangsmaßnahmen seien auf Grund eines eingeleiteten Verbraucherkonkurses unterblieben, sagte Bettendorf.

Als möglichen Grund, warum in dem besonders für Sparsamkeit bekannten Baden-Württemberg die Zahl der Zwangsmaßnahmen zugenommen hat, vermutete Bürgel, dass die Gläubiger in dem Bundesland härter gegen säumige Schuldner vorgingen als anderswo. Die Gründe für Zwangsmaßnahmen wurden in der Studie nicht erforscht. Die Untersuchung beruht auf Recherchen der Auskunftei Bürgel in Schuldnerregistern und Datenbanken.

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