Studie untersucht ausländische Neuemissionen in Deutschland
Neuer Markt ist noch nicht die Nasdaq Europas

Seitdem das deutsche Wachstumssegment aus der Taufe gehoben wurde, hat es sich mit der hohen Zahl ausländischer Emittenten geschmückt. Nach einer Studie der Münchener IPO Management AG entwickelten sich ihre Aktienkurse auch wegen der oft schlechten Unternehmenskommunikation oft unterdurchschnittlich.

HB, 2.4.2001 FRANKFURT/M. Um sich als europäisches Gegengewicht zu der nach wie vor führenden New Yorker Wachstumsbörse Nasdaq zu behaupten, braucht der Neue Markt attraktive Emittenten auch aus dem europäischen Ausland. In einer jetzt veröffentlichten Studie kommt die Münchener IPO Management AG jedoch zu dem Schluss, das bei den Aktienplatzierungen ausländischer Unternehmen am Wachstumssegment teilweise gravierende Fehler gemacht wurden, die sich auch in der Kursentwicklung niederschlugen.

Flaute trifft auch ausländischen Platzierungen Derzeit haben 56 der insgesamt 340 am Neuen Markt notierten Gesellschaften ihren Sitz im Ausland. Die Zahl der Ausländer, die den Sprung an die Börse oder eine Zweitplatzierung am deutschen Wachstumssegment wagten, stagnierte im abgelaufenen Jahr im Gleichklang mit den Neuemissionen insgesamt. Stammten 1999 noch 25 der insgesamt 130 Aktienplatzierungen von Unternehmen aus dem Ausland, so waren es im Jahr 2000 noch 24 von insgesamt 137.

Im Vergleich zu den einheimischen Börsenkandidaten entfiel auf die ausländischen Emittenten oft ein besonders hohes Emissionsvolumen. Das durchschnittliche Volumen der Ausländer betrug 183 Mill. Euro, die nationalen Emissionen kommen der Studie zufolge durchschnittlich nur auf 85 Mill. Euro. Das könnte allerdings damit zusammenhängen, dass sich der höhere Kostenaufwand einer Platzierung im Ausland nur ab einem gewissen Volumen überhaupt lohnen dürfte.

Neuer Markt genießt weltweit hohe Aufmerksamkeit

89 % der von IPO Management befragten ausländischen Emittenten begründeten die Entscheidung für das deutsche Wachstumssegment mit der hohen Aufmerksamkeit, die der Neue Markt bei Investoren weltweit genießt. Der Standort Deutschland ist dabei jedoch nicht nur unter Finanzaspekten attraktiv - immerhin 44 % der ausländischen Emittenten gaben an, ihn als zentralen Markt für ihre Produkte zu sehen, den sie mit einer öffentlichkeitswirksamen Emission schneller zu durchdringen hofften.

Obwohl der Neue Markt unter anderem in dem Nouveau Marché in Paris, dem Zürcher Swiss New Market, dem spanischen Nuevo Mercado sowie dem Mailänder Nuovo Mercato zunehmend Konkurrenz im europäischen Ausland erhält, gaben ein Drittel der Unternehmen an, dass sie das deutsche Wachstumssegment wegen der mangelnden Infrastruktur und Liquidität ihrer Heimatbörse bevorzugten. Jedes fünfte Unternehmen gab offen zu, dass die Wahl des Standortes mit der oftmals überdurchschnittlichen Bewertung am Neuen Markt zusammenhängt - das Bewertungsniveau ihrer Vergleichsunternehmen sei an anderen Wachstumsbörsen nicht zu erzielen. Dies mag für das Jahr 2000 teilweise noch gegolten haben - nach der Talfahrt der vergangenen Monate dürfte sich das Bewertungsniveau aber nivelliert haben.

Informationspolitik oft unzureichend Zu den Tücken, die eine Investition in ausländische Unternehmen am Neuen Markt bergen kann, zählte in der Vergangenheit die des öfteren unzureichende Informationspolitik. Den Grund hierfür sieht die Studie darin, dass sich die Unternehmen zwar dem Regelwerk des Neuen Marktes unterwerfen, oftmals jedoch anderen rechtlichen Rahmenbedingungen und Traditionen unterliegen als deutsche Unternehmen.

Dies gilt zum Beispiel für US-Unternehmen, denen die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC die am Neuen Markt von den Investoren nachdrücklich eingeforderten Zukunftsprognosen explizit untersagt. Als Beispiel für die vertrauensschädigenden Sonderwege ausländischer Unternehmen am Neuen Markt nennt die Studie die Ausgabe von mit besonderen Rechten ausgestatteten Namensaktien durch das juristisch in den Niederlanden ansässige Internet-Unternehmen Lycos Europe. Dessen Inhaberstammaktien sind am Wachstumssegment besonders früh und sehr weit unter den Ausgabepreis gefallen.

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