Studie vergleicht Prognosen
Münchener Analysten sind Spitze

Bei einem Vergleich von Analystenprognosen haben die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank Spitzenplätze erreicht. Ob die Analysten mit ihren Schätzungen richtig liegen, hängt auch vom Unternehmen ab, das sie analysieren. Die Deutsche Telekom hat sich dabei als Gift erwiesen - kaum ein Analyst lag bei ihr richtig.

DÜSSELDORF. Nicht aus den Finanzmetropolen London und Frankfurt kommen die treffsichersten Analystenprognosen, sondern aus München. Das zeigt ein aktueller Analystenvergleich des Londoner Informationsdienstes AQ Publications, der dem Handelsblatt vorliegt. Mit vergleichsweise genauen Schätzungen zu europäischen Unternehmen kletterte die Bayerische Landesbank (Bayern LB) von Platz 23 auf Platz zwei, die Münchener Hypo-Vereinsbank verbesserte sich um einen Rang auf Platz drei. Sieger ist die französische Bank Natexis Capital, deren Analysten die treffsichersten Prognosen zu den deutschen Großbanken lieferten.

Im Vergleich zum Vorquartal haben sich klangvolle Namen wie Schroder Smith Salomon Smith Barney (SSSB), Merrill Lynch, Lehman Brothers, Deutsche Bank und Dresdner Kleinwort Wasserstein nicht verbessert. "Die Londoner Investmentbanken beschäftigen sehr viele Mitarbeiter in ihren Researchabteilungen. Da kann es sein, dass die Analysten öfter ihre Prognosen ändern", meint AQ-Chef Graham Field dazu. Kleinere Häuser änderten hingegen nicht alle fünf Minuten ihre Prognosen. Häufige Änderungen der Analystenurteile fallen bei der AQ-Untersuchung aber negativ ins Gewicht.

Vierteljährlich erstellt AQ die Rangliste der treffsichersten Analystenurteile auf Basis des Informationsdienstes Thomson Financial. Über einen Zeitraum von drei Jahren nimmt AQ-Chef Graham Field die Schätzungen der Analysten für den Gewinn je Aktie (Earnings per share, EPS) eines Unternehmens unter die Lupe. Field vergleicht die Quartalsprognosen der Analysten mit den tatsächlichen Ergebnissen der 100 größten kontinental-europäischen Unternehmen aus dem FTSE Eurotop 300. Field hat die Methode gemeinsam mit Fondsmanagern entwickelt, die verlässliche Prognosen benötigen.

Die meisten Analysten sehen solche Ranglisten - unabhängig von einer guten oder schlechten Platzierung- allerdings mit gemischten Gefühlen. Fast einhellige Meinung ist, dass Betrachtungen nur einer Kennzahl zu einseitig sind. "Nur das EPS zu betrachten ist zu undifferenziert, da viele Unternehmen verschiedene Zahlen angeben", sagt Jörg Natrop, Researchleiter der WGZ Bank, die zum ersten Mal beurteilt wurde und in der deutschen Rangliste einen der hinteren Plätze belegt. Aber auch Peter Worel, Leiter der Aktienanalyse der Bayern LB, sähe lieber eine differenziertere Beurteilung.

Den Standort München, fernab der Researchabteilungen der Großbanken in Frankfurt oder London, sieht Bayern-LB-Experte Peter Worel als Vorteil. "Wir profitieren davon, dass wir unsere Analysten in München gebündelt haben, so dass die Kommunikation besser laufen kann", sagt Worel. Besonders treffsicher war die Bayern LB beim französischen Gaskonzern Air Liquide, dem spanischen Telekommunikationriesen Telefonica sowie dem spanischen Elektrizitätsunternehmen Endesa. "Wir liegen in den Branchen vorne, wo wir die Analystenteams im vergangenen Jahr ausgebaut haben", erklärt Worel. Im Ranking der treffsichersten Prognosen zu deutschen Firmen belegt die Bayern LB allerdings nur einen Platz im vorderen Mittelfeld. Ein Grund könnte hier die häufigere Anpassung der Prognosen sein, meint Worel.

Die Konkurrenz aus der bayerischen Landeshauptstadt, die Hypo-Vereinsbank, kann vor allem bei der Analyse deutscher Unternehmen und hier vor allem in der Autobranche punkten. "Viele Analysten sind oft zu optimistisch. Wir zielen auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen positiven und negativen Urteilen", sagt Gerhard Schwarz, Leiter der Portfoliostrategie.

Ob die Prognosen zutreffen oder nicht, liegt allerdings auch an den beurteilten Unternehmen. Während die Analysten in der Nahrungsmittelindustrie und bei den Baustoffherstellern oft Treffer landen, scheinen sich an einigen anderen Branchen die Analysten die Zähne auszubeißen. "Versorger, Elektronik und Telekommunikation zählen zu den Branchen, die die Analysten vor die größten Schwierigkeiten stellen", sagt Field.

Auch die deutschen Unternehmen machen es den Analysten schwer. Am genauesten lagen sie mit ihren Schätzungen bei Schering, die damit auf Platz 24 unter am besten zu prognostizierenden europäischen Unternehmen landen. Deutsche Bank, Siemens und Volkswagen finden sich unter den letzten zwanzig. "Grund für ungenaue Prognosen sind zum Beispiel Probleme bei den Investor Relations. Oder aber ein Unternehmen ist auf Grund komplizierter Strukturen schwer zu beurteilen", meint Field.

Mit schlechtem Beispiel geht in Europa die Deutsche Telekom voran. Bei ihr liegen die Analysten öfter daneben als bei jedem anderen Unternehmen der Top 100 in Europa. Die Prognosen der Analysten in Bezug auf die Deutsche Telekom seien sehr unterschiedlich, da sie mit verschiedenen Zahlen arbeiteten, sagt Field.

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