Studie von Droege & Comp.
Konzerne lahmen bei der Kostensenkung

Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten scheinen es viele Konzerne mit dem Sparen nicht allzu ernst zu nehmen. Die 100 führenden Unternehmen in Deutschland verschenken jährlich rund 41 Mrd. Euro, weil sie ihre Verbesserungsprogramme nicht konsequent umsetzen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege & Comp.

HB DÜSSELDORF. Nach Einschätzung der Berater stockt in vielen Firmen die Umsetzung von Projekten, mit denen Effizienz und Umsatz gesteigert oder die Kosten gesenkt werden sollen. Droege & Comp. hat bei der Untersuchung die Kosten für entgangene Verbesserungen und verspätet verwirklichte Verbesserungen sowie den dafür erforderlichen Personalaufwand addiert. "Wenn wir noch die Wertsteigerungspotenziale berücksichtigen, die nicht erreicht wurden, ergibt sich ein Betrag von rund 375 Mrd. Euro", erklärt Guido Klenter, Autor der Untersuchung und Partner von Droege.

Droege & Comp. ist nach Angaben des Branchendienstes Lünendonk mit einem Umsatz von 122 Mill. Euro die siebtgrößte Unternehmensberatung in Deutschland. Für die Untersuchung hat Droege 469 Manager aus 164 Unternehmen interviewt. Davon gehören rund ein Drittel der Dax-100-Gruppe an.

Klenter stellt den Unternehmen ein schlechtes Zeugnis aus: Über die Hälfte (54,9 %) aller angesetzten Projekte erreicht seiner Untersuchung zufolge nicht ihr Ziel. Rund 30 % kommen nicht in der geplanten Zeit ans Ziel. Und nur etwa 15 % der Projekte werden im vorgesehenen Zeitraum - ohne nennenswerte Verzögerungen - erfolgreich abgewickelt.

Grund für das Scheitern vieler Projekte: "Sie werden oft nicht sorgfältig genug geplant und im Verlauf nicht konsequent kontrolliert", analysiert Klenter das Resultat der Umfrage, an der sowohl Entscheider als auch Projektleiter teilgenommen haben. Die Ergebnisse bestätigt der Manager eines renommierten deutschen Chemieunternehmens, der aber nicht genannt werden möchte. "Es wäre schon ein großer Erfolg, wenn wir nur die Hälfte aller unserer begonnenen Projekte zu Ende bringen würden."

Klenter hält es für vorteilhaft, wenn im Unternehmen von vorneherein Sanktionen vereinbart werden für den Fall, dass etwas aus dem Ruder läuft. Diese Konsequenzen müssen seiner Meinung nach dann alle Personen tragen, die an dem Projekt beteiligt sind.

In großen Unternehmen würden oft zu viele Projekte gleichzeitig angestoßen, lautet ein Ergebnis der Studie. Diese Projektinflation steigt tendenziell mit der Größe und Komplexität des Unternehmens. Klenter nennt das Beispiel eines Dax-30-Unternehmens, bei dem alle laufenden Projekte auf den Prüfstand kamen. "Ein Viertel aller Projekte haben wir gleich aussortiert, weil überhaupt keine Ziele definiert waren oder weil es Überschneidungen mit anderen gab."

Carsten Frigge, Mitinhaber der Düsseldorfer C4 Consulting GmbH warnt allerdings davor, das Scheitern solcher Projekte zu hoch zu bewerten. Die Programme zur Kostensenkung nützten auf Dauer nur etwas, wenn gleichzeitig eine "kostenorientierte Kultur" im Unternehmen verankert werde. "Sonst ist es wie mit einer Diät", erklärt der Berater. "Man nimmt hinterher doch wieder zu."

Quelle: Handelsblatt

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