Studie von Ernst & Young
Autozulieferer in der Finanzklemme

Die Finanzierung steigender Entwicklungskosten wird einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge zu einer neuen Fusionswelle in der Autozulieferbranche führen.

Reuters STUTTGART. 50 % der von Ernst & Young befragten Führungskräfte deutscher Autozulieferer erwarteten in erster Linie Übernahmen durch internationale Konzerne, 27 % rechneten verstärkt mit Fusionen in der mittelständisch geprägten Zulieferbranche, heißt es in der am Dienstag in Stuttgart vorgestellten Studie. Ein Fünftel der Befragten befürchte vermehrt Insolvenzen. Nach Ansicht von 70 % der Manager wird die Zahl der Zulieferer in Deutschland in den nächsten Jahren weiter sinken.

Die früher übliche Vorfinanzierung der Entwicklungskosten durch die Autohersteller und damit das Risiko werde inzwischen großenteils auf die Zulieferer abgewälzt. Die Banken, die das Geschäft der mittelständisch geprägten Branche traditionell finanzierten, seien dazu gleichzeitig immer weniger bereit, erläuterte Ernst & Young-Partner Thilo Kausch das Dilemma der Autozulieferer. Bis zu acht Jahre müssten diese warten, bis sie die Entwicklungskosten über die Stückpreise für die gelieferten Komponenten wieder hereinholen könnten. Mehr als zwei Drittel von ihnen bauten bei der Finanzierung trotzdem weiter auf die Banken. Ein Viertel der Zulieferer räume gleichzeitig ein, dass die Finanzierung zur größten Herausforderung geworden sei.

"Es kann sein, dass in dem Bermuda-Dreieck der Finanzierung zwischen Hersteller und Bank Zulieferer verloren gehen", sagte Ernst & Young-Partner Peter Fuß.

Einen Ausweg sieht die Unternehmensberatung in der Garantie von Abnahmemengen durch die Autohersteller, quasi als Bürgschaft für den Zulieferer. Schließlich hätten diese auch ein Interesse an einer großen Zahl zahlungskräftiger Lieferanten, um nicht zu sehr in Abhängigkeit zu geraten, sagte Fuß. Nach der Insolvenz des badischen Kunststoff-Zulieferers Peguform hatten fünf große Autohersteller im vergangenen Jahr mit einem Überbrückungskredit ausgeholfen, um nicht ohne Komponenten da zu stehen. Nach einer anderen, ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG fordern fast 45 % der Zulieferer Unterstützung der Hersteller bei ihrer Finanzierung. Nur 21 % litten aber selbst unter verschärften Bedingungen bei der Kreditvergabe.

In der Autoindustrie stößt das Bestreben aber auf Skepsis: Stückzahlgarantien seien keine Lösung, sagte Helmut Petri, der Produktionschef von Mercedes-Benz, in Stuttgart. Das könne es nur in Ausnahmefällen geben. "Für uns als Hersteller gibt es auch keine Volumengarantie", sagte er. DaimlerChrysler bezahle die nötigen Spezialwerkzeuge bei den Zulieferern ohnehin in der Regel noch immer selbst.

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