Studie zu Bewertungsreserven und Finanzstärke
Börsencrash schwächt Lebensversicherer

Die Schwäche an den Aktienmärkten bedroht die Bewertungsreserven der deutschen Lebensversicherer - und das könnte sich negativ auf die Überschussbeteiligung der Kunden auswirken. Auf diese Gefahr weist eine Studie der auf Versicherungen und Finanzdienstleister spezialisierten Beratungsgesellschaft Tillinghast-Towers Perrin hin.

frü/kun FRANKFURT/M. Die Bewertungsreserven, also die Differenz von Buch- zu Marktwert von Kapitalanlagen, resultieren im Wesentlichen aus Dividendenpapieren, obwohl die Aktien nur einen kleinen Teil der Kapitalanlagen der deutschen Versicherer ausmachen. Mehr als zwei Drittel investieren sie in festverzinsliche Anlagen, den Rest in Aktien und vor allem Investmentfonds, die wiederum Rentenpapiere enthalten.

Der Kursverfall an den Aktienmärkten schmälert nun die Bewertungsreserven. Liegt der Deutsche Aktienindex (Dax) zum Ende des laufenden Jahres bei 6 000 Punkten, werden laut Jutta Ziegler, Verfasserin der Studie, die durchschnittlichen Reserven der deutschen Lebensversicherer knapp 9 % betragen. Bei 5 500 Punkten schätzt sie die Reserven auf 6 %, bei 5 000 auf gut 3 %.

Je tiefer die Bewertungsreserven sinken, desto schwieriger wird es über Verkäufe von Aktien die Überschüsse - und damit die Gewinnbeteiligung - stabil zu halten. In den vergangenen Jahren konnten viele Versicherer einen außerordentlichen Ertrag erzielen, indem sie während der Boomzeit der Börse Reserven versilberten. Damit hielten sie ihre so genannte Nettoverzinsung auf einem Niveau, das mit Zinsanlagen schon lange nicht erreichbar war. Damit ist nun vorbei. Schlimmer noch: Kursverluste bei neuen Aktienengagements in jüngerer Zeit ziehen Abschreibungen mit sich, die dann direkt den Überschuss mindern.

Der Kampf um die neuen Kunden durch die Rentenreform könnte sich ebenfalls negativ auf die Überschusslage auswirken, meint Wolfgang Rief, Versicherungsanalyst bei der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P). Denn mit Beginn des kommenden Jahres starte erst der eigentliche Wettbewerb um die private Altersvorsorge - und erfordere weitere Investitionen. Vor allem kleineren Gesellschaften könnte das Probleme bereiten, so Rief.

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