Studie zu Öko-Investments
Nachhaltigkeit führt nicht zu Renditeverlusten

Ökologische und nachhaltige Geldanlagen werden von Anlegern oft kritisch beäugt. Viele fürchten, die "saubere" Investition führe zu einem Minus auf der Renditeseite. Eine Studie der Bank Sarasin hat jetzt herausgefunden, dass dies nicht stimmt. Umweltverträglichkeit schließt hohe Aktienkurse nicht aus.

FRANKFURT/M. Nachhaltige Investmentfonds haben sich in den vergangenen Jahren nicht schlechter entwickelt als der Markt. Trotzdem gibt es weiter das Vorurteil, nachhaltige Anlagen brächten weniger Rendite.

Viele Studien haben in den vergangenen Jahren versucht, diese These zu widerlegen. "Das waren aber alles Korrelationsstudien, die nur zeigten, dass es keinen negativen Zusammenhang zwischen Aktienkurs und Nachhaltigkeit gibt, ohne nach den Gründen zu fragen", sagt Andreas Knörzer, Leiter der Abteilung Sustainable Investment bei der Bank Sarasin. Die Bank startete daher mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine statistische Studie, die den kausalen Zusammenhang von Börsenentwicklung und nachhaltiger Geldanlage genauer erforschen sollte. Von 1996 bis 2001 untersuchten sie rund 200 europäische Unternehmen darauf, wie deren Umwelt- bzw. Sozialperformance die Aktienrendite beeinflusst hat.

Das Ergebnis ist auf dem ersten Blick nicht neu: "Eine gute Umwelt- und Sozialperformance hat keinen signifikant negativen Einfluss auf die durchschnittliche Aktienrendite eines Unternehmens," heißt es in dem Abschlussbericht der Bank Sarasin. In Teilbereichen bestünden sogar positive Einflüsse. So hätten Unternehmen aus besonders umweltverträglichen Branchen einen Renditevorteil.

Die Sarasin-Studie geht jedoch tiefer als ihre Vorgänger. Um Verzerrungen zu vermeiden wurde bei der Bewertung der Umweltverträglichkeit an jedes Unternehmen ein zweidimensionales Schema angelegt. "Wir haben sowohl die Nachhaltigkeit des Unternehmens überprüft, als auch die der Branche, in der es tätig ist", erklärt Knörzer. Das schlechteste Umweltrating erhielten die Sektoren Auto, Chemie, Öl und Bergbau. Auf der anderen Seite weisen Wasserversorger, Softwareproduzenten und Unternehmen der Erneuerbaren Energien die höchste Umweltverträglichkeit auf. Neben dem Branchenrating erhielt jedes Unternehmen ein eigenes Umwelt- und Sozialrating. Aus der Kombination beider Werte ergab sich ein Gesamtrating, das ins Verhältnis zur Aktienrendite gesetzt wurde.

"Aus diesem Verhältnis allein lässt sich aber kein kausaler Zusammenhang ableiten", so Knörzer. Deshalb wurden die Ergebnisse in vielen Variationen durchgerechnet, bei denen Störfaktoren wie die Unternehmensgröße herausgerechnet wurden. An den Ergebnissen änderten diese statistisch aufwendigen Modellrechnungen aber nichts - für Knörzer ein deutliches Zeichen für die empirische Richtigkeit der gefundenen Zusammenhänge.

Portfoliomanager dürfte auch ein anderes Ergebnis der Studie interessieren: "Wir haben herausgefunden, dass das Marktrisiko von Unternehmen mit guter Nachhaltigkeit geringer ist", sagt Knörzer. Denn Nachhaltigkeit beinhalte eine solide Corporate Governance und diese sei in Zeiten, in denen das Vertrauen in die Konzerne sinke, bei den Anlegern gefragt.

Paschen von Flotow, Leiter des Institutes für Ökologie und Unternehmensführung an der European Business Scholl (EBS), hält die Studie für sehr bedeutend - besonders das Ergebnis, dass Nachhaltigkeit und Aktienperformance nicht negativ korrelieren. "Der Anleger kann Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage berücksichtigen, ohne dabei finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen." Dies könne dem Wachstumsmarkt für nachhaltiges Investment einen Schub verleihen.

Etwas kritisch sieht Flotow die Tendenzaussage der Autoren, dass zwischen Umwelt- und Sozialperformance und der Aktienkursentwicklung eines Unternehmens sogar ein positiver Zusammenhang abgeleitet werden könne. "Ich denke, hier geht die Studie ein Stück zu weit. Dass so genannte saubere Sektoren wie die Softwarebranche eine vergleichsweise gute Aktienperformance hatten, ist das eine. Dass heißt aber nicht, dass soziale und ökologische Nachhaltigkeit generell zu einer überdurchschnittlichen Rendite von Unternehmen führt."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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