Studie zu schwersten Kursrückschlägen und Erholungsphasen
Crash ist für Börsenanfänger wirksame Lektion

Auf die große Börsenparty folgte die Ernüchterung und nun fragen sich nicht wenige: Wann geht es endlich wieder aufwärts? Die Antwort kennt niemand so genau. Doch immerhin halten es Fachleute für möglich, dass sich die Märkte in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren wieder erholt haben werden. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Münchner Vermögens GmbH, -Zentrums von der die Stiftung Warentest in der September-Ausgabe ihres Magazins "Finanztest" berichtet.

ap FRANKFURT/MAIN. Und auch Börsenpsychologe Joachim Goldberg rechnet damit, dass die Anleger nach einer Flaute von ein bis zwei Jahren wieder zurückkommen. Die Münchner Studie hat sich laut Stiftung Warentest mit den schwersten Kursrückschlägen (mindestens 20 %) der vergangenen 40 Jahre an deutschen und US-Börsen befasst. "Im günstigsten Fall wurden die Verluste bereits nach vier Monaten, im ungünstigsten Fall erst nach über elf Jahren wieder aufgeholt", berichten die Verbraucherschützer.

Am zähesten sei der Erholungsprozess nach dem 33-prozentigen Kursrutsch zwischen 1970 und 1971 in Deutschland verlaufen. Erst Anfang der 80er Jahre sei das Anfangsniveau zurückerobert worden. "Zum Vergleich: Nach der Asienkrise im Jahre 1998 brauchte der deutsche Markt knapp anderthalb Jahre, um den 37-prozentigen Kurssturz wettzumachen."

Generell seien die Erholungszeiten in den USA etwas kürzer gewesen als in Deutschland. Dennoch: Die Münchner Finanzleute schöpften laut Stiftung Warentest aus der Statistik Hoffnung für die aktuelle Börsenphase, "denn meist hatten sich die Märkte in weniger als zwei Jahren wieder erholt".

Aktionärsschützerin Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) geht davon aus, dass es zumindest in Deutschland geraume Zeit dauern wird, bis die Anleger verlorenes Vertrauen in die Märkte zurückgewinnen. Die Entwicklungen am Neuen Markt und die T-Aktie - das sind laut Keitel "die wichtigen, unglaublichen Vorgänge, die die Anleger registriert haben".

Ein Fazit sei: "Man kann sich offensichtlich nicht darauf verlassen, was öffentlich dargestellt wird." Für den Neuen Markt könne noch gelten, dass Anleger wussten, dass sie ein besonderes Risiko eingehen - wenngleich dies "die Lügen dort natürlich nicht rechtfertigt". Doch die Erfahrungen mit dem Dax-Wert Telekom seien viel gravierender für die Aktienkultur, meint Keitel. "Das wird Auswirkungen haben und eine Weile brauchen, denn es ist ganz viel Vertrauen verloren gegangen."

Goldberg: "Schlagartig die Nerven" verloren

In der jüngsten Ausgabe des Hamburger Magazins "Stern" sagt der Börsenpsychologe Goldberg, "es wäre schade, sich gerade jetzt von der Börse abzuwenden und nichts aus dem Desaster zu lernen. Der Crash ist für Börsenanfänger eine wirksame Lektion, wenn auch eine teure". Seiner Ansicht nach sind viele Anleger in eine psychologische Falle getappt: "Zu Beginn des Abschwungs wollte niemand glauben, dass die Zeiten der großen Gewinne vorbei sind. Die ersten Kursverluste waren zwar schmerzhaft, aber statt die Notbremse zu ziehen und die Papiere rechtzeitig zu verkaufen, haben viele etwas ganz anderes gemacht."

Zahlreiche Kleinanleger hätten nur noch wahrgenommen, was sie in ihrer Hoffnung bestärkte, dass sich die Kurse schnell wieder erholten. Jede kleinste Kurserholung sei gleich als Trendwende interpretiert worden. Anfangs habe kaum einer die warnenden Stimmen hören wollen, "weil das für den Anleger bedeutet, er hat einen Fehler gemacht. Und wer will sich das schon gerne eingestehen?" Nun hätten manche Anleger "schlagartig die Nerven" verloren. Sie hielten die Verluste psychisch nicht mehr aus und verkauften hektisch. "Fatalerweise fliegen dann nicht nur die Verlustbringer aus dem Depot, sondern auch die guten Aktien."

Goldberg sieht auch die Gefahr, dass bei Vielen das Vertrauen in die Börse für immer zerstört ist. "Nach dem Zusammenbruch an der Wall Street Ende der zwanziger Jahre dauerte es ein bis zwei Jahrzehnte, bis die Anleger wieder zurückkamen." Doch: "Heute rechne ich nur mit einer Flaute von ein bis zwei Jahren."

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