Studie zum "Teuro"-Effekt
Dienstleistungen mit dem Euro deutlich teurer geworden

Mit Einführung des Euro sind Dienstleistungen und zum Teil auch Lebensmittel teurer geworden. Das geht aus einer Untersuchung zur Preisentwicklung bei rund 18 000 Produkten hervor, die das Statistische Bundesamt am Freitag in Frankfurt am Main vorstellte.

afp WIESBADEN. Den Vorwurf von Verbraucherschützern, der Euro sei ein Teuro, wollte die Behörde aber nicht bestätigen. Der genaue Einfluss der Währungsumstellung auf das Preisniveau sei «exakt nicht bestimmbar». Der Einzelhandel begrüßte die Studie. Sie bestätige, dass der Handel Wort gehalten und die Euro-Einführung nicht für Preiserhöhungen genutzt habe.

Für einen Kinobesuch, einen Haarschnitt und das Bier in der Kneipe müssen die Verbraucher der Behörde zufolge seit der Währungsumstellung deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch im Vorjahr. Schuld sei die Umstellung der so genannten Schwellenpreise auf den Euro. Darunter versteht die Branche Preise unter einer psychologisch wichtigen Marke, die dem Verbraucher ein günstiges Angebot suggerieren sollen - etwa Produkte für 19,99 Euro statt für 20,02 Euro. Bei Dienstleistungen sei mit der Währungsumstellung auf einen Schlag zu Ungunsten der Verbraucher aufgerundet worden, konstatierten die Statistiker. So kostete etwa das Kinoticket im Januar durchschnittlich 2,3 % mehr als noch im Vormonat, ein Friseurbesuch wurde 2 % teurer, das Kneipenbier 1,9 %.

Verbraucherschützer werfen dem Handel Täuschung vor

Der Handel wiederum erhöhte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zumindest vereinzelt im Vorfeld der Euro-Einführung die Preise, um sie nach der Währungsumstellung wieder leicht zurückzunehmen. Offen ließ die Behörde aber, ob es sich hierbei um eine bewusste Strategie handelte, um die Preise mit der Währungsumstellung werbewirksam wieder senken und dennoch Gewinne machen zu können. Dies hatten Verbraucherschützer dem Handel wiederholt vorgeworfen.

Zumindest im Lebensmittelhandel werde die Vermutung gestützt, dass vor der Bargeldumstellung Erhöhungen vorgenommen wurden, um sie mit Einführung des Euro wieder auf Euro-Schwellenpreise zu senken, erklärte die Behörde. Die Teuerung betrifft laut der Behörde aber nur ausgewählte Produkte. So seien die Preise von Speisefetten und Öl im vergangenen Jahr um 1,6 % gestiegen, mit der Euro-Einführung im Januar dann wieder gesunken, allerdings nur um 1,3 %.

Auf die Lebenshaltungskosten insgesamt hatte die Euro-Einführung der Behörde zufolge allerdings «keinen erheblichen Einfluss». Die um Sondereffekte - also Steuererhöhungen und wetterbedingte Verteuerungen bei Obst und Gemüse - bereinigte Teuerungsrate habe im Januar bei 1,6 % gelegen. Dies entspreche dem Trend der vergangenen Monate.

Die Untersuchung bestätige, dass der Euro «kaum Einfluss auf das Preisniveau im Einzelhandel gehabt» habe, erklärte Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Teuerungen bei Lebensmitteln wie Fleisch und Fleischprodukten seien vor allem Folge der durch die Maul- und Klauenseuche und den Rinderwahnsinn BSE verursachten Krisen. Auch die höheren Preise im Dienstleistungsbereich dürften nicht dem Einzelhandel angelastet werden, betonte Pellengahr.

Die aktuelle Preisanalyse im Internet unter http://www.destatis. de/basis/d/preis/vpitsti10.htm

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