Studios scheuen mit Kino-Fortsetzungen das Risiko: Hollywood auch für 2002 optimistisch

Studios scheuen mit Kino-Fortsetzungen das Risiko
Hollywood auch für 2002 optimistisch

Die Blockbuster „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ haben Hollywood verzaubert. In diesem Jahr wollen die Filmstudios mit Fortsetzungen auf Nummer sicher gehen.

HB SAN FRANCISCO. Frodo, Gandalf und Pippin sind die absoluten Lieblinge der Manager des Filmstudios New Line. Die Fabelwesen aus der Trilogy "Lord of the Rings - Herr der Ringe" erreichten das, wovon ganz Hollywood träumt: Ruhm, der nicht schon nach wenigen Tagen wieder verblasst.

Nach einem sensationellen Kinostart in den USA bleiben die Helden aus "Herr der Ringe" in der Gunst der Zuschauer ganz oben. So weit oben sogar, dass in einigen Kinos in San Francisco selbst Vorstellungen an Werktagen zwei Wochen nach dem ersten Spieltag immer noch ausverkauft sind.

Bislang brachte der Streifen für New Line, einer Tochter des Medienkonzerns AOL Time Warner, 174 Mill. $ ein. Experten sind sich sicher, dass der "Herr der Ringe" die 200 Mill.$-Grenze, die als Trennlinie zwischen erfolgreichen und sensationellen Filmen gilt, locker überspringt.

Damit wird "Herr der Ringe" der sechste im Jahr 2001 gestartete Film, der die finanzielle Hürde nahm. Die anderen der Top-Liga waren "Harry Potter" (294,0 Mill. $), "Shrek" (267,7 Mill. $), "Monsters Inc." (241,0 Mill. $), "Rush Hour 2" (226,2 Mill. $) und "Die Rückkehr der Mumie"(202,0 Mill. $) .

So viele Top-Hits in einem Jahr gibt es selten. Dementsprechend zufrieden ist Hollywood mit dem finanziellen Erfolg des vergangenen Jahres: Die Filme erzielten nach Berechnungen des Martforschungsunternehmen AC Nielsen EDI insgesamt 8,35 Mrd.$ an den Kinokassen. Im Jahr zuvor waren es 7,7 Mrd. $ gewesen. Auch die Zahl der Zuschauer sei erstmals seit 1998 wieder gestiegen und zwar um 6%, berichtet der Marktbeobachter Exhibitor Relations. Und das, obwohl die Kinokarten im vergangenen Jahr um rund 5% teurer geworden sind. "Das Jahr 2001 war sehr gut und für 2002 sind alle optimistisch", sagt Dan Marks, Executive Vice President beim Marktbeobachter AC Nielsen EDI.

Das erste Wochenende wird immer wichtiger

Und doch hat sich die Branche verändert: Das erste Wochenende wird in den USA immer wichtiger für den Erfolg eines Filmes. Häufig fallen die Verkaufszahlen an den Kinokassen bereits am zweiten Wochenende um 50% bis 60%. "Die Leute schauen sich den Film am Eröffnungswochenende an und haben am nächsten Samstagabend schon den nächsten großen Film im Auge", sagt Paul Dergarabedian, Präsident von Exhibitor Relations.

"Im Sommer ging es wirklich Schlag auf Schlag, jede Woche kam ein neuer Filmhit in die Kinos." Bisher habe dieser Trend den Filmstudios nicht geschadet, schließlich habe es viele gute Filme gegeben, die genug Geld in die Kassen gebracht hätten, meint Dergarabedian. Der Marktforscher rechnet damit, dass das hohe Tempo, mit dem neue Filme auf den Markt kommen, auch im nächsten Jahr anhalten wird. "2002 wird das Jahr der Folgen und Fortsetzungen", ergänzt Stuart Linde, Analyst beim Investmenthaus Lehman Brothers. Geplant sind unter anderem weitere Folgen von "Harry Potter" und "Herr der Ringe", von "Man in Black", "James Bond" und "Star Treck". "Die Studios wollen durch die Fortsetzungen das Risiko gering halten", sagt Dan Marks von AC Nielsen EDI, "der Zuschauer muss nicht erst von der Qualität der Story überzeugt werden."

Bei Disney und AOL Time Warner haben die Kinohits der vergangenen Wochen die Aktienkurse allerdings nicht beflügelt - beide Werte sind weit von ihren Höchstständen entfernt. Der Grund: "Die Filmgeschäftsbereiche sind bei den Konzernen zu klein, um das Gesamtergebnis wirklich stark zu beeinflussen", erklärt Analyst Linde. Anders sieht es bei Kinoketten selbst aus.

Unternehmen wie AMC Entertainment Inc., die Multiplex-Kinos betreiben, oder Loews Cineplex Entertainment Corp., deren Aktien allerdings nicht an den großen Börsen sondern nur an den so genannten Bulletin Boards gehandelt werden, haben sich deutlich besser entwickelt, nachdem sie in den vergangenen Jahren durch aufwendige Restrukturierungen belastet wurden.

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