Stürmische Entwicklung bei Plambeck, Energiekontor und Umweltkontor
Windaktien gelten als teuer - Experten betrachten Kursrallye skeptisch

Der Anstieg des Ölpreises hat offenbar die Aufmerksamkeit vieler Investoren auf alternative Energiequellen gelenkt. Davon haben die drei Windaktien am Frankfurter Neuen Markt stark profitiert. Experten halten die Titel nach den jüngsten Kursgewinnen allerdings zum Teil für überbewertet.

DÜSSELDORF. Teures Öl = teure Energie = gute Chancen für Anbieter alternativer Energiequellen. Diese Formel hat die Fantasie vieler Investoren beflügelt. Jedenfalls haben die drei Windaktien am Neuen Markt - Umweltkontor (Wertpapierkennnummer 760 810), Energiekontor (WKN 531 350) und Plambeck Neue Energien (WKN 691 030) - einen wahren Kauf-Ansturm erlebt. Zwar fielen die Titel in den vergangenen Tagen wieder etwas zurück. Seit Anfang September sind alle drei Werte aber enorm gestiegen - und das, obwohl kein direkter Zusammenhang zwischen dem hohen Ölpreis und den Erträgen der Windmüller besteht. Denn die Windbranche ist hier zu Lande von staatlicher Unterstützung abhängig, ohne die der saubere Strom nicht konkurrenzfähig wäre. Mit dem Ölpreis haben die garantierten Vergütungen nichts zu tun. Zudem erzeugen Windparks vor allem Elektrizität. Öl wird dagegen kaum zur Stromherstellung eingesetzt.

Anlageexperten, die den Windmarkt beobachten, halten die jüngsten Kurssprünge für übertrieben. "Die hohe Bewertung macht mir Bauchweh", sagt Catrina Vaterlaus. Sie entwickelt für die Schweizer Privatbank Sarasin ökologisch orientierte Anlagestrategien. Max Deml, Herausgeber des Branchenbriefes Öko-Invest, warnt vor blinden Käufen. Private Anleger sollten bei Windwerten erst stärker einsteigen, wenn die Euphorie abgeflaut ist.

Der plötzliche Ansturm auf die Windwerte lässt sich nach Demls Einschätzung nicht rein sachlich erklären. Ein Teil der Kursgewinne sei wohl darauf zurückzuführen, dass die Titel derzeit in Internet-Diskussionsforen heiß diskutiert werden. Privatanleger empfehlen sich im Web die Titel gegenseitig zum Kauf.

Sarasin-Expertin Vaterlaus verweist zudem darauf, dass einige Banken neue Investmentprodukte rund um den Energiesektor aufgelegt haben. "Bei diesen kleinen Werten kann schon ein einziger institutioneller Käufer die Kurse nach oben treiben", sagt sie. So wirbt die niederländische Bank ABN Amro für ein Zertifikat, das auch Aktien von Vestas (WKN 913 769) enthält, einem führenden Windräder-Hersteller. Die Bank Sarasin legt einen Investmentfonds für erneuerbare Energien auf. Und der Aktienfonds Ökolux der BfG Bank hat nach eigenen Angaben den Anteil der erneuerbaren Energien stark erhöht.

Langfristig trauen die Experten den Wind-Unternehmen noch einiges zu. Sowohl die Entwickler von Windparks, wie die drei Neuer-Markt-Titel, als auch die Windturbinen-Hersteller sollen vom kräftigen Branchenwachstum profitieren. In den aktuellen Aktienkursen seien aber schon sehr optimistische Erwartungen enthalten.

Plambeck, Umweltkontor und Energiekontor verdienen ihr Geld vor allem mit der Planung und dem Bau von Windparks, die sie an private Investoren verkaufen. Früher galten Windparks vor allem als Abschreibungsobjekte für reiche Steuersparer - bis die Abschreibe-Richtlinien verschärft wurden. Auf der anderen Seite garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine feste Mindestvergütung für den Windstrom. Per saldo haben sich damit die Chancen für Windparks eher verbessert, schätzt der Präsident des Bundesverbandes erneuerbare Energien, Johannes Lackmann. Allerdings prüft die Europäische Kommission, ob das Fördergesetz dem Wettbewerbsrecht der Union entspricht. Eine Entscheidung steht noch aus.

Die Europäische Union will den Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergiebedarf bis 2010 auf 12 % verdoppeln im Vergleich zu 6 % in 1995. Die Windkraft wird nach Einschätzung Lackmanns dazu einen großen Beitrag leisten. Denn Wasserkraft habe kaum noch Wachstumspotenzial, und andere Energiequellen wie Biomasse steckten noch in den Kinderschuhen.

Auch andere Staaten der Europäischen Union fördern Windenergie. Auf internationaler Expansion beruht daher auch die Kursfantasie bei den Windaktien. Denn in Deutschland werden die enormen Wachstumsraten der vergangenen Jahre künftig kaum noch zu erreichen sein, schätzt Deml.

Die am Neuen Markt notierten Firmen wollen im europäischen Ausland wachsen. Außerdem drängen Plambeck und Umweltkontor in neue Geschäftsfelder wie die Biomasse. Große Hoffnungen setzen die Windmüller auch auf Offshore-Windparks, die vor den Küsten entstehen sollen.

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