"Stunde der Wahrheit"
"Arafat hat die Situation nicht unter Kontrolle"

Nach einer Serie von Bombenanschlägen in Israel haben die USA am Sonntag die Kontrolle von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat über seine Gebiete in Frage gestellt. "Ich sehe nicht, dass Arafat die Situation unter Kontrolle hat", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem Fernsehinterview.

rtr JERUSALEM. Wer für Frieden im Nahen Osten sei, müsse nun aktiv werden und den Terrorismus bekämpfen, sagte US-Präsident George W. Bush unmittelbar vor einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon. Bei Selbstmordattentaten in Haifa und Jerusalem waren am Wochenende offiziellen Angaben zufolge mindestens 25 Menschen getötet und etwa 200 verletzt worden.

"Arafat muss alles tun, was in seiner Macht steht, um die Mörder unschuldiger Israelis zu finden und vor Gericht zu stellen", sagte Bush. Nach den Anschlägen in Jerusalem hatte Bush erklärt, Arafat müsse nun durch Taten und nicht allein durch Worte zeigen, dass er den Terror bekämpfen wolle. Für Arafat habe nun die "Stunde der Wahrheit" geschlagen, sagte Außenminister Colin Powell dem Sender CBS. Die USA haben vor kurzem eine neue Vermittlungsinitiative in Nahost gestartet, um ein Ende der Gewalt zu erreichen.

Auch Ausländer unter den Toten

In Haifa hatte am Sonntag Polizeiangaben zufolge ein Selbstmordattentäter seine Bombe in einem Überlandbus gezündet. 15 Menschen kamen ums Leben. Dutzende wurden verletzt. Kurz vor Mitternacht waren in Jerusalem von zwei Selbstmordattentätern zehn Menschen getötet worden. Mindestens 150 Menschen wurden verletzt, 17 davon schwer. Unter den mindestens 25 Toten befinden sich offiziellen Angaben zufolge auch drei Franzosen.

In Haifa wurde durch die Wucht der Explosion das Dach des Busses weggeschleudert, Fenster in den umliegenden Häusern zerbarsten. "Die Kraft der Explosion war so groß, dass die Opfer keinen Ton mehr von sich gaben. Es herrschte totale Stille", sagte ein Augenzeuge. Unter den Toten befanden sich Augenzeugen zufolge Juden und Araber. In der Stadt leben beide Gruppen weitgehend friedlich zusammen.

In Jerusalem zündeten die Attentäter ihre Bomben nach Ende des Sabbats in der belebten Fußgängerzone der Stadt. "Ich sah einen Menschen mit aufgerissenem Bauch. Ich sah einen Zehnjährigen, der seinen letzten Atemzug tat", sagte ein Augenzeuge. Der Polizei zufolge detonierte am Ende der Straße zudem ein Auto. Das Fahrzeug habe die Straße blockiert und sei explodiert, als etwa 20 Personen versucht hätten, es zu bewegen, sagten Augenzeugen.

Unklarheit über Urheber der Anschläge

Zu den Anschlägen bekannten sich in verschiedenen Anrufen bei Medien in der Region die radikalen Friedensgegner Islamischer Dschihad und Hamas. Ein israelischer Polizeisprecher sagte, der Anschlag sei Teil einer Offensive militanter Palästinenser. Diese hatten für die Tötung eines führenden Hamas-Mitglieds durch die israelische Armee Rache angekündigt. Israel hatte dem Getöteten die Beteiligung an mehreren Anschlägen vorgeworfen.

Die Palästinenser-Regierung rief nach den Anschlägen den Ausnahmezustand in ihren Gebieten aus. Die Sicherheitskräfte erhielten damit erweiterte Befugnisse, um gegen militante Palästinenser vorzugehen. Die israelische Armee verstärkte ihre Abriegelung der palästinensischen Gebiete noch weiter.

Die Anschläge wurden von zahlreichen Staatsführern scharf verurteilt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin forderten Arafat auf, alles zu tun, um die Verantwortlichen zu fassen. Der britische Außenminister Jack Straw begrüßte die Ankündigung der Palästinenser-Regierung, eben dies zu tun. Frankreichs Präsident Jacques Chirac sagte, die Spirale der Gewalt könne ohne Dialog nicht gestoppt werden. Bei dem seit 14 Monaten anhaltenden Aufstand der Palästinenser sind inzwischen weit mehr als 900 Menschen getötet worden.

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