Stundenlöhne legen leicht zu - US-Arbeitsmarktdaten: Kein eindeutiges Bild
US-Arbeitslosenquote überraschend gesunken

Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Mai überraschend von 6 Prozent im Vormonat auf 5,8 Prozent gefallen. Die Stundenlöhne legten leicht zu.

Reuters WASHINGTON. Am Freitag vorgelegte US-Konjunkturdaten haben den Finanzmärkten kein eindeutiges Bild von der Lage am Arbeitsmarkt der weltgrößten Volkswirtschaft geliefert. Einerseits fiel die Erwerbslosenquote im Mai überraschend auf 5,8 Prozent, doch andererseits schafften die Unternehmen nicht so viele neue Stellen wie von Analysten erwartet. Volkswirte sahen nach den Daten daher auch keine Notwendigkeit für rasche Leitzinserhöhungen in den USA.

Wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Mai zum Vormonat saisonbereinigt um 41.000 und damit so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr. Analysten hatten aber sogar mit 58.000 neuen Stellen gerechnet. Bei der Arbeitslosenqoute hatten die Experten einen Anstieg auf 6,1 Prozent erwartet. Die Rate hatte im April mit 6,0 Prozent den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren erreicht. An den Märkten lösten die Daten kaum Reaktionen aus, der Dollar gab nur zeitweise etwas nach.

Die US-Beschäftigtenzahlen beruhen auf den Ergebnissen einer periodischen Umfrage unter Arbeitgebern, während die Arbeitslosenquote auf Basis von Haushaltsbefragungen ermittelt wird. Nach Einschätzung von Volkswirten spielen die Beschäftigungsdaten eine größere Rolle am Markt, da sie wegen der höheren Zahl der Befragten als Indikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes repräsentativer sind. Für die vergangenen Monate kam es zu deutlichen Revisionen der Stellenzahl. So ermittelte das Ministerium für April lediglich einen Anstieg von 6000 nach zunächst veröffentlichten 43.000 Stellen. Im März fiel der Rückgang mit 5000 aber geringer aus als zuvor mit 21.000 Stellen angenommen.

Insgesamt sprachen Volkswirte nach den Daten von ersten zarten Anzeichen für eine Belebung des Arbeitsmarktes. Die Zahlen belegten, dass die Wirtschaft wachse, allerdings nicht mit einem derartigen Tempo, dass die US-Notenbank (Fed) auf die Bremse treten müsse, sagte Anthony Chan, Chefvolkswirt von Banc One Investment Advisers. Viele Analysten rechnen daher frühestens im September mit einer ersten Leitzinserhöhung der Fed. "Die Daten sprechen dafür, dass die Fed das Zinsniveau im August beibehalten wird", sagte Alan Ruskin von 4Cast Ltd. Jade Zelnik von Greenwich Capital Markets ergänzte: "Ich denke, die Fed wird die Zinsen im September um 25 Basispunkte anheben." Bis Jahresende erwartet Zelnik einen Schlüsselzins von 2,5 Prozent. Derzeit liegt dieser bei 1,75 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit rund vierzig Jahren.

Bereits am Donnerstag hatte die gesunkene Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche zum 1. Juni nach Einschätzung von Volkswirten Hoffnungen geweckt, dass der Arbeitsmarkt nun allmählich der sich abzeichnenden Wirtschaftserholung folgt. Die Zahl der Anträge war auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gesunken.

Einige Experten äußerten sich am Freitag aber enttäuscht über das überraschend geringe Stellenplus. "Was die Schaffung von Jobs angeht, sind die Daten ziemlich enttäuschend", sagte Sean Callow von IDEAGlobal in New York. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen reiche bei weitem nicht aus, um die Arbeitslosenquote nachhaltig auf Abwärtskurs zu bringen, fügte Volkswirt Zelnik hinzu.

Die Finanzmärkte nahmen die Daten gelassen auf. Am Devisenmarkt gab der Dollar nur zeitweise zum Euro etwas nach. Die Gemeinschaftswährung kletterte vorübergehend nahe an die Marke von 0,95 Dollar, fiel dann aber wieder zurück. Die Aktienmärkte in den USA erhielten ebenfalls keine positiven Impulse von den Daten. Händlern zufolge stand am Freitag der schwache Intel-Ausblick vom Vorabend im Fokus, der die Börsen deutlich ins Minus drückte.

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